Desu, masu und wie sie dein Japanisch ruinieren!

Die Höflichkeitsformen mit desu und masu im Japanischen

Die Form mit Desu und Masu ist eine der ersten, die dir Japanischlehrbücher im Regelfall beibringen. Ich erklär sie dir erst im 19. Kapitel. Aus einem einfachen Grund: Mit ihr zu beginnen, ruiniert dein Sprachverständnis.

Wo kommen die Infos her?

Ursprünglich hat CureDolly Japanisch erstmals so logisch zusammengefasst. Allerdings nur auf Englisch. Was ihren Guide auszeichnet, erkläre ich auf Youtube. Ich bereite ihre Informationen hier nur neu auf, um auch deutschsprachigen Lernern einen einfacheren Zugang zur Sprache zu geben. Ihren Originalguide findest du hier:

Deswegen erkläre ich desu und masu so spät

Die Wörterbuchform ist die Grundlage: Bei meinen bisherigen grammatischen Erklärungen wie etwa dem Stammsystem der Verben wird dir bereits aufgefallen sein, dass sie stets auf der Wörterbuchform basieren. Das ist das Standardjapanisch, auf dem alles weitere aufbaut.

Desu und masu sind Sonderformen: Mit desu und masu zu beginnen, bringt dir nichts. Denn es sind Sonderformen. Lernst du sie zuerst, bekommst du ein falsches Bild davon, wie Japanisch funktioniert. Wenn du meinen Guide über diesen Artikel hier gefunden hast, solltest du entsprechend erst zur oben verlinkten Übersicht gehen und ihn von Anfang an lesen.

Das Verb ます

Masu ist ein Hilfsverb: Den Beginn macht masu. Was dir Lehrbücher verschweigen ist, dass masu nicht einfach eine Verbendung oder ähnliches ist, sondern ein Hilfsverb. Also so wie etwa auch ru und rareru bei der Potentialform.

Funktion und Bildung von masu: Masu macht so gut wie gar nichts. Es verändert die Bedeutung des Verbs, mit dem es steht nicht. Es lässt es nur höflicher klingen. Du bildest es, indem du es an den い-Stamm von Godan-Verben ranhängst. Bei Ichidan-Verben folgst du dem üblichen Schema und tauschst das る mit einem ます aus:

Bildung der japanischen masu-Form

Beispiele:

  • 買う (kau) → 買います
  • 歩く (aruku) → 歩きます
  • 話す (hanasu) → 話します
  • 持つ (motsu) → 持ちます
  • 食べる (taberu) → 食べます

Die Unregelmäßigkeit von ます

Das dritte unregelmäßige Verb: Ich sagte bereits in einer früheren Lektion, dass Japanisch nur zwei unregelmäßige Verben besitzt. Es sind jedoch drei. Denn auch masu gehört dazu. Allerdings ist es noch schlimmer, da es etwas tut, das du im modernen Japanisch nirgendwo anders siehst. Und was du, im Gegensatz zum Rest der Sprache, als seperate Ausnahmeform auswendig lernen musst.

  • Die Vergangenheit: Die Vergangenheit von masu ist noch regelmäßig und heißt enfach “mashita”.
  • Die Negativform: Die Verneinung heißt nicht, wie zu erwarten, “masanai”, sondern “masen”. Diese Form wird dir nirgendwo sonst in der Sprache begegnen. Deswegen kannst du sie einfach als Negativ von masu auswendig lernen und es bringt keine Vorteile, zu erklären, was genau “masen” ist.
  • Die negative Vergangenheit: Da es keine Vergangenheit von “sen” gibt, bildest du die Vergangenheit von “masen”, indem du einfach die Vergangenheitsform von “desu” nutzt. Entsprechend wird daraus “masen deshita”.

Das Problem mit masu in Lehrbüchern: Ich bringe dir mit diesem Guide Regeln bei. Denn mit denen lernst du, die Sprache zu verstehen, ohne viel auswendig zu lernen. Würdest du die Masu-Form so früh lernen wie in Lehrbüchern, dann würde das jedoch den Eindruck erwecken, dass Japanisch auf zahlreichen Ausnahmen basiert und kein System dahintersteckt.

です: Die höfliche Version von だ

Desu funktioniert wesentlich simpler. Denn es ist einfach nur die höfliche Version der Kopula da, die zu Beginn des Guides gelernt hast.

Besonderheit bei Adjektiven: Desu besitzt jedoch ebenfalls eine Ausnahmefunktion, die bei Adjektiven zum Tragen kommt. Denn wie du weißt, heißt “赤い” nicht etwa “rot”, sondern “ist-rot” und benötigt deswegen die Kopula だ nicht. Dennoch kannst du ein です ranhängen. Das verändert die Bedeutung nicht, macht es jedoch höflich.

Der Fehler von Lehrbüchern: Auch hier trittst du mit Lehrbüchern in eine hinterhältige Falle. Denn wenn du zuerst die Sonderform mit desu lernst, erhälst du den Eindruck, dass du die Kopula mit Adjektiven genauso brauchst, wie mit adjektivischen Substantiven. Dass letztere zudem stets “な-Adjektive” bezeichnet werden, vertieft dieses Problem noch weiter. Denn echte japanische Adjektive benötigen keine Kopula.

Eine zweite Verneinung: Diese Funktion von です funktioniert auch mit dem Hilfsadjektiv ない für die Verneinung. Statt “さくらが話しません” kannst du auch “さくらが話さないです。” sagen. Was auch logisch ist, da es komplett nach den bekannten Regeln funktioniert.

Die Volitional-Form mit です und ます

Beide Worte kannst du zudem auch mit der Volitionalform verwenden. Und es wird dich bestimmt nicht überraschen zu hören, dass sich ます hier erneut anders verhält, als sämtliche anderen Verben.

Was macht die Volitionalform? Mit dieser Form drückst du den Willen aus, etwas zu tun. Das ist auch ein Unterschied zu たい, mit dem du dein Verlangen beschreibst. Entsprechend würdest du es verwenden, wenn du etwa sagen willst “Lass uns das machen!”

Die Bildung: Zunächst zeig ich dir hier, wie du diese Form im Standardjapanisch bildest. Bei Godan-Verben brauchst du dafür den お-Stamm in Kombination mit einem う. Ichidan-Verben bilden diese Form, indem du das る entfernst und ein よう ranhängst.

Grammatik zur Bildung der japanischen Volitionalform

Beispiele:

  • 買う (kau) → 買おう
  • 歩く (aruku) → 歩こう
  • 話す (hanasu) → 話そう
  • 持つ (motsu) → 持とう
  • 食べる (taberu) → 食べよう

Volitional mit masu: Die Volitionalform von ます macht jedoch wieder einmal alles ein wenig anders. Denn die lautet nicht wie zu erwarten “まそう”, sondern “ましょう” (mashou).

Volitional von desu und da: Bei です verhält es sich ähnlich. Das wird zu でしょう. Die einfache Form von だ hingegen wird だろう. Beide Worten haben zudem eine leicht andere Bedeutung. Immerhin sind sie bereits in ihrer Grundform kein richtiges Verb. Die Volitionalform dieser beiden Worte in Kombination mit einem Satz bedeutet so viel wie “wahrscheinlich”.

Im nächsten Kapitel geht es mit weiteren Funktionen der Partikel と weiter, die du häufig hören wirst und entsprechend auch verstehen musst, um Japanisch problemlos verwenden zu können.

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