Japanischkurs
Japanische Konditionale

Konditionale im Japanischen

In der japanischen Grammatik gibt es eine ganze Reihe von Konditionalen, die du lernen musst. Und alle haben ihre eigene spezielle Bedeutung und Anwendungsbereiche. Ich erklär dir, wie sie funktionieren und wann du welches nutzt.

Hier klicken, um den Inhalt von www.youtube-nocookie.com anzuzeigen

Video für Youtube- und Patreon-Mitglieder. Alternativ bei Patreon kaufen oder als Teil meines Udemy-Kurses bekommen.

Die Erklärungen zu den Konditionalen haben alle ein großes Problem: Die Verwendung ist teilweise regional abhängig. In der Kanto-Region wird etwa stärker zwischen den Funktionen unterschieden, in der Kansai-Region weniger. Dazu kannst du in vielen Situationen auch ein beliebiges Konditional verwenden und selbst japanische Grammatikseiten liefern unterschiedliche Erklärungen.

Die Funktionen von と

Grundlage: In einem früheren Kapitel erklärte ich dir, dass Japanisch zwei verschiedene Worte für “und” besitzt. Das nicht-exklusive や und das exklusive と. Letzteres nutzt du auch, um konditionale Zusammenhänge auszudrücken. Lehrbücher tun so, als seien es jeweils andere Partikel, sie sind es aber nicht.

Wieso funktioniert das? と ist weder eine logische Partikel, die sagt wer, was, wie tut und auch keine Partikel wie は und も, die uns Informationen darüber geben, was das mit ihnen verbundene Substantiv ist, aber keine Rolle in der logischen Satzstruktur spielen. Im Gegensatz zu logischen Partikeln muss と nicht mit einem Substantiv stehen. Es kann auch mit einem logischen Satz stehen und damit die Rolle eines Konditionals einnehmen.

と als Konditional

Nutzung und Beispiel: Das と gibt in der Struktur AとB an, dass wenn A passiert, unweigerlich B folgt. Sieh dir als Beispiel den Satz 夏になると熱くなる an. Der bedeutet lokalisiert “Wenn es Sommer wird, wird es warm.” Doch das ist nicht, was du eigentlich sagst. Die wörtliche Übersetzung sieht wie folgt aus:

夏になると熱くなる。
Natsu-ni naru to atsuku naru.
Sommer werden und warm werden.

Die Bedeutung: Das と funktioniert hier als Konditional, da es nur ein einziges Resultat zulässt. Wenn es Sommer wird, wird es warm. Egal, was passiert. Du kannst es auch metaphorisch als eine Übertreibung verwenden.

Ein Vergleich im Deutschen: Das mag abstrakt klingen, das liegt aber nur daran, dass du im Deutschen wohl am ehesten ein “wenn” als Konditional erwartest. Ein besserer Vergleich ist hier aber eine Satzbildung wie “Iss das und du wirst krank.”

Nutzung von と als “müssen”

と zum Ausdruck von Pflichten: Durch diese Funktion kannst du damit auch ein “Müssen” ausdrücken. Das geht mit der umgekehrten Form der erwünschten Handlung gefolgt von といけない. Auch das erklären dir Lehrbücher als eigene Funktion, aber es funktioniert durch die Verwendung von と als Konditional.

Beispiel: In den meisten Fällen wirst du es mit der negativen Form von Verben sehen, wie etwa bei 勉強しないといけない. Das heißt lokalisiert “Ich muss lernen”. Doch in Wirklichkeit sagst du nur “Nicht-lernen und nicht-gehen-können.” Diese Form wird auch sehr häufig abgekürzt, indem der Satz mit dem と endet. Ein positives Verb mit といけない siehst du seltener, aber es ist möglich. Etwa bei あなたの顔を忘れるといけないので写真を下さい。- “Dein Gesicht vergessen und nicht-gehen weil Foto bitte.”

Konditionale mit den Hilfsverben ば und れば

Die spezielle Bedeutung: Jede der einzelnen Methoden, eine derartige Bedingung auf Japanisch auszudrücken, hat ihre eigene spezifische Bedeutung. Während と eine unabdingbare Folge ausdrückt, nutzt du ば und れば für Hypothesen und Vermutungen.

Die Bildung: Du kannst es mit Verben und Adjektiven nutzen. Bei Godan-Verben nutzt du den e-Stamm mit dem Hilfsverb ば. Bei Ichidan fällt wie immer das る weg. Danach setzt du れば ans Ende. Bei Adjektiven hingegen entfernst du das い und nutzt das Hilfsverb ければ.

Verwendung des Konditional-Hilfsverbs im Japanischen
Das Konditional-Hilfsverb ば setzt du an den e-Stamm von Godan-Verben. Bei Ichidan-Verben fällt る weg und du nutzt das Hilfsverb れば.

Beispiele:

  • 買う (kau) – 買えば (kaeba)
  • 聞く (kiku) – 聞けば (kikeba)
  • 話す (hanasu) – 話せば (hanaseba)
  • 持つ (motsu) – 持てば (moteba)
  • 死ぬ (shinu) – 死ねば (shineba)
  • 飛ぶ (tobu) – 飛べば (tobeba)
  • 飲む (nomu) – 飲めば (nomeba)
  • 取る (toru) – 取れば (toreba)
  • 食べる (taberu) – 食べれば (tabereba)

Die Ausnahmen: Bei dem Konditionalhilfsverb gibt es keine Ausnahmen. Selbst する und くる werden hier komplett regulär gebildet. So bekommst du すれば und くれば. Das liegt daran, dass es im Kern Ichidan-Verben sind. Allerdings sind es die einzigen starken Ichidan-Verben, die ihren Vokal ändern können.

Stammsystem bei Adjektiven: Bei der Kombinationen von Hilfsverben mit Adjektiven wird dir aufgefallen sein, dass die ihr い stets mit einem Kana aus der k-Reihe austauschen. Dadurch kannst du davon ausgehen, dass der e-Stamm von Adjektiven け ist.

Funktion als Konditional

れば und ば sind “falls”: Durch seine spezielle hypothetische Bedeutung kann das Hilfsverb niemals “wenn” heißen, sondern ist immer ein “Falls”. Denn du kannst nicht mit Sicherheit sagen, ob die jeweilige Situation wirklich eintreffen wird. Wenn du damit über Dinge in der Vergangenheit redest, geht das hingegen nur mit Situationen, die nicht eingetroffen sind. Denn andernfalls würdest du keine Hypothese mehr haben, sondern einen Fakt.

Häufige Nutzung: Deswegen wird diese Form auch besonders häufig genutzt. Am meisten wird sie dir wohl in der Form “どうすればいい?” auffallen. “Wie, wenn ich agiere, ist gut?” Hierbei sei auch angemerkt, dass du das häufig als “machen” oder “tun” lokalisierte する eher mit “agieren” übersetzen solltest, da es der eigentlichen Bedeutung näherkommt. Zudem siehst du die Form すればよかった oft. “Hätte ich agiert, wäre es gut gewesen.”

Ausdruck von Pflichten

Der Unterschied zu と: Wie auch と kannst du die Hilfsverben ば und れば für Pflichten verwenden. Diese Form wirkt weniger gezwungen als mit と, dafür aber authoritärer.

Die Nutzung: Da es im Japanisch kein “Müssen” gibt, nutzt du auch hier wieder das langgezogene “Wenn ich X nicht mache, geht es nicht” oder auch “ist es nicht gut”. Etwa 勉強しなければいけない, was jedoch bei weniger wichtigen Anlässen umgangssprachlich zu 勉強しなきゃ verkürzt wird. Da derartige Aufforderungen aber oft mit Nachdruck gemacht werden, werden sie sehr oft komplett ausgesprochen, um diesen Druck zu unterstreichen.

たら und なら

Den Abschluss machen die beiden sehr ähnlich klingenden Konditionale なら und たら.

So funktioniert たら

Konditionale mit たら: Die Bildung ist denkbar einfach. Du nutzt die Vergangenheitsform eines Verbs oder Adjektivs und setzt ら ran. Diese Bildung hat auch einen Grund. Denn mit diesem Konditional, redest du vorrangig über Vergangenes. Dann aber nicht mehr in der Funktion von “Falls”, sondern “Als”. Denn du weißt bereits, dass die Bedingung erfüllt wurde.

Die Bedeutung: Damit gibst du an, dass ein Ereignis in der Vergangenheit überraschend war, oder unerwartet kam. Etwa bei 家に帰ったら熊がいた! “Als ich nach Hause kam, war da ein Bär!” Das ist überraschend, weil der ja gar keinen Schlüssel hat, um die Tür zu öffnen.

Unterschied zu れば: Du kannst es natürlich auch nutzen, um über die Zukunft zu reden. Dann betont es stärker was passiert, wenn die Kondition erfüllt wird. Im Gegensatz zu れば, das den Fokus stärker auf das “falls” legt. Wenn du davon ausgehst, dass etwas eintreten wird, würdest du deswegen auch eher たら verwenden.

Erwähnung von Frust: Es gibt auch die Form ったら und ってば. Also mit einem kleinen っ vor dem Konditional. Das bedeutet dann so viel wie といったら oder といえば und heißt so viel wie “Wenn du davon redest”. Das drückt vor allem Frust und Kritik aus. Es wird verwendet, um etwa Personen zu kritisieren, nach dem Motto “Bei dieser Person ist das immer so!” kann aber auch verwendet werden wie “もう言ったってば!” was etwa so viel bedeutet wie “Das hab ich doch schon gesagt!”

Die Verwendung von なら

Die simpelste Nutzung: なら hängst du einfach so an auch immer das ran, was du zu einem Konditional machen willst. Das funktioniert mit Substantiven, aber auch vollständigen logischen Sätzen. Du benötigst auch keine Kopula, da なら die hypothetische Form von だ ist.

Die Besonderheiten: なら lässt keinerlei Zweifel zu und kann nicht nur für gegenwärtige, sondern auch zukünftige Situationen eingesetzt werden. Du würdest es etwa bei Sätzen nutzen wie “すみとなら出来る” was etwa “Wenn es Sakura ist, es ist möglich!” Du würdest es aber auch nutzen, um einfach nur etwas zu bestätigen. Wenn du etwa fragst 美術館はどこですか? könnte die Antwort lauten 美術館ならあそこです! was so viel heißt wie “Wenn es um das Kunstmuseum geht, da drüben!”

Im nächsten Kapitel geht es weiter mit limitierenden Worten. ばかり hab ich bereits in einem früheren Kapitel vorgestellt, aber es gibt noch eine Reihe weiterer, die alle eine leicht andere Funktion erfüllen.

Unterstütz das Projekt!

Die Text-Version des Grammatik-Guides ist komplett kostenlos. Es gibt aber auch eine begleitende Video-Version, in der ich die Grammatik erkläre und zudem mit Animationen veranschauliche. Die ersten Kapitel sind kostenlos, damit du dir einen Eindruck machen kannst. Die späteren kannst du auf vier verschiedene Methoden bekommen:
Kauf den kompletten Guide bei Udemy
Mitglied bei Patreon werden
Mitglied auf Youtube werden
Videos im Patreon-Shop kaufen

Zudem kannst du mich auch anderweitig finanziell unterstützen, damit ich dem Projekt in Zukunft mehr Zeit widmen kann. Das geht über folgende Webseiten:
Kauf bei Amazon ein (Affiliate-Link)
Einmalige Spende bei Buymeacoffee

Profilbild von Mathias Dietrich

Ich bin der Betreiber von Kawaraban und beschäftige mich seit 2007 mit Japan und seiner Sprache.

Ich habe einen Bachelor of Arts in Japanologie erworben und ein Austauschstudium an der Senshu-Universität absolviert.

Seit 2018 lebe ich in Japan und berichte über das Land und mein Leben hier.

Eines meiner Ziele ist es, zukünftigen Generationen bessere Erklärungen zur Sprache zu bieten, als ich sie zur Verfügung hatte.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

  1. Julius sagt:

    Ist ったら und ってば nur mit dem Verb 言う verwendbar ? Oder kann man das an jedes Verb hängen ?
    (Btw. unter der Überschrift “Funktion als Konditional” steht “ばれ” und nicht “れば”:)

    • Mathias Dietrich sagt:

      Das kannst du anders verwenden. Etwa 違うってば。 oder ほんとだってば。Bedenke dabei, dass das って nur so viel bedeutet wie “sagen”. Entsprechend kannst du es auch einsetzen.

      Danke für den Hinweis! Hab das malkorrigiert.