Satzgefüge und das Geben im Japanischen

Grammatik zum japanischen Satzgefüge und Geben

Mittlerweile bist du gut genug, dass du nicht nur einzelne Sätze im Japanischen verstehen kannst, sondern gar natürliche Texte. Wenn auch erstmal nur in vereinfachter Form. Um weiterzukommen, musst du vor allem Lernen, wie die japanische Grammatik mit Satzgefügen umgeht, aber auch wie du “Geben” ausdrücken kannst.

Du musst logisch über Japanisch denken!

Dafür nutze ich an dieser Stelle Beispiele aus “Alice im Wunderland”. Der Beginn ist allen voran ein wenig Wiederholung, wo du siehst, in welcher Art und Weise einige der bisher gezeigten Formen auftauchen können. Versuch deswegen zunächst einmal den folgenden Satz selbst zu übersetzen, eh du dir die Lösung ansiehst.

ある日アリスは川のそばにいた。

(Aru hi Arisu-ha kawa-no-soba-ni ita.)

Lösung

Existierender Tag, was Alice angeht,  neben einem Fluss sein.

Eines Tages befand sich Alice an einem Fluss.

ある als Adjektiv: Hier wird dir direkt das ある auffallen, das du bisher nur als Verb kennengelernt hast. Da es hier vor einem Substantiv steht, weißt du seit Kapitel 6, dass es damit die Funktion eines Adjektivs einnimmt. Deswegen wird daraus “ein existierender Tag”, oder, verständlicher übersetzt, “Eines Tages”.

Was gehört dem Fluss? Auch “kawa-no-soba” solltest du mit deinem Wissen aus Kapitel 6 verstehen können. Dort habe ich の als Possessivartikel vorgestellt. Hier geht es um “Soba” also “Daneben”. Dieses “Daneben” gehört einem “Kawa”, auf Deutsch “Fluss”. Entsprechend heißt es “Neben dem Fluss”. Oder, wenn du es in schönes Deutsch lokalisieren willst, “An einem Fluss.”

Keine Sonderfälle! Du merkst hier, wie logisch du über die Sprache nachdenken musst. Denn beides sind keine speziellen Verwendungsmöglichkeiten der Worte und wenn du mit deinem bekannten Wissen Schritt für Schritt die Bedeutung entschlüsselst, kommst du auf die Übersetzung!

Sätze mit der te-Form verbinden

Eine neue Bedeutung der te-Form: Der nächste Satz ist hingegen etwas komplexer. Denn zwar siehst du hier die dir bereits bekannte te-Form, allerdings hat sie an dieser Stelle eine neue Funktion, die du noch nicht aus den vorheirgen Kapiteln kennst.

おねえちゃんはつまらない本をよんでいてあそんでくれなかった。

(onee-chan-ha tsumaranai hon wo yonde-ite asonde kurenakatta.)

Was ihre große Schwester angeht, sie las an langweiliges Buch und spielte nicht mit ihr.

Was ist unbekannt? Die Formen an sich wirst du bereits kennen. Dir wird jedoch direkt die Gegenwartsform von “yomu” (lesen) ins Auge springen. Denn das “iru” steht hier in seiner te-Form ite und der Satz geht danach weiter. Was genau bedeutet das?

Verbindung von Sätzen: “Was meine große Schwester angeht, sie liest ein Buch.” Ist bereits ein vollständiger Satz. Die te-Form gibt hier jedoch an, das etwas darauf passierte. Entsprechend kannst du es als “und” übersetzen. In diesem Fall ist das “asonde kurenakatta”. Das erste Wort heißt “spielen” und steht wieder in der te-Form, gefolgt von “kurenakatta”.

Geben: Ageru und kureru

“Kurenakatta” selbst ist die negative Vergangenheit von dem Verb “kureru”. Das bedeutet so viel wie “nach unten geben”. Das Pendant dazu ist “ageru” – “nach oben geben”. Hier kommt erneut eine im Vergleich zum Deutschen unterschiedliche Denkweise des Japanischen zum Tragen.

So funktionieren die Verben für Geben im Japanischen.

Du musst dir hier stets vor Augen halten, wie man die eigene Position und die anderer im Japanischen betrachtet. Im Regelfall ist man immer höflich und sieht sich selbst unter anderen. Entsprechend gibt es zwei Worte für “Geben”.

  • くれる: Wenn dir eine andere Person etwas gibt, wandert es von oben (dem Geber) nach unten (zu dir).
  • あげる: Gibst du etwas, ist es genau andersrum und es geht von unten (dir selbst) nach oben (der anderen Person).

Nicht nur für Objekte: Nun ist die Frage, was Alice bekommt. Immerhin siehst du nirgendwo ein Substantiv. Allerdings steht vor dem くれる das Verb “asobu” (spielen) in seiner te-Form. Das bedeutet, dass in diesem Fall nicht etwa ein Gegenstand weitergereicht wird. Das drückst du zwar auch so aus, hier geht es aber um eine Aktion, von der man profitiert. In diesem Fall das Spielen. Das Wort steht jedoch in der negativen Vergangenheit. Sie erhielt den für sie günstigen Akt des Spielens also nicht.

Die Zeitform von Satzgefügen

Wenn du dir den Satz noch einmal ansiehst, wird dir auffallen, dass du hier zwei komplett allein stehend funktionierende Sätze hast. In der ersten Hälfte die große Schwester, die das Buch liest. In der zweiten Hälfte, dass sie nicht mit Alice spielte. Beiden haben wir jedoch mit der te-Form kombiniert.

Grammatischer Aufbau japanischer Satzgefüge

Die Zeitform kommt am Ende: Der erste Satz “おねえちゃんは本をよんで” lässt allerdings keine Rückschlüsse auf die Zeitform zu. Nur das letzte Verb der gesamten Konstruktion steht schließlich in der Vergangenheit und setzt damit auch die erste Hälfte in die Vergangenheit. Das ist ein Unterschied zum Deutschen, wo du sagen würdest “Sie LAS ein Buch und SPIELTE nicht mit Alice.”

Die Formen mit Ageru und Kureru werden dir im Japanischen sehr häufig begegnen, weswegen du sie dir gut einprägen musst. Im Nächsten Kapitel geht es schließlich mit Zitaten weiter. Oder vielmehr der Partikel, die du auch für Zitate verwendest.  Denn auf Japanisch steht ein anderer Gedanke dahinter.

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Profilbild von Mathias Dietrich

Ich bin der Betreiber von Kawaraban und beschäftige mich seit 2007 mit Japan und seiner Sprache.

Ich habe einen Bachelor of Arts in Japanologie erworben und ein Austauschstudium an der Senshu-Universität absolviert.

Seit 2018 lebe ich in Japan und berichte über das Land und mein Leben hier.

Eines meiner Ziele ist es, zukünftigen Generationen bessere Erklärungen zur Sprache zu bieten, als ich sie zur Verfügung hatte.

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