Japanischkurs
Output in einer Fremdsprache

Reden und Schreiben in einer Fremdsprache: Die Grundlagen

Das Thema Schreiben und Sprechen, oder anders ausgedrückt, der Output in einer Fremdsprache, ist ein kontroverses Thema. Viele Menschen, die eine neue Sprache lernen, möchten so schnell wie möglich sprechen lernen, um Freundschaften mit Menschen aus einem anderen Land schließen zu können. Allerdings muss ich diese Illusion zerstören.

Output hat Zeit!

Mäßige deine Erwartungen: Als Anfänger ist es nicht möglich, sofort mit dem Sprechen anzufangen. Du musst erst genug Erfahrung mit einer neuen Sprache machen. Du könntest zwar versuchen, mit der gelernten Grammatik Sätze zu bilden, aber das bringt dir nicht viel. Denn du würdest dich immer noch im Korsett deiner Muttersprache befinden.

Sprachen unterscheiden sich nicht nur in den Wörtern! Aufgrund deines Wissens könntest du beim Sprechen oder Schreiben nur auf bekannte Formulierungen aus deiner Muttersprache oder einer anderen Sprache, die du zuvor gelernt hast, zurückgreifen und diese 1:1 in deine neue Zielsprache übersetzen. Problem: Das funktioniert nicht. Denn viele Dinge werden in anderen Sprachen ganz anders ausgedrückt.

Ein Beispiel: Ich habe ein Lieblingsbeispiel, um das zu veranschaulichen. Wenn du auf Japanisch sagen möchtest “Ich mag Katzen”, dann würdest du mit Hilfe der gelernten Grammatik und dem Nachschlagen von Vokabeln in einem Wörterbuch den Satz “猫を好く” (Neko-wo suku) bilden. Das Problem ist nur, dass man das in Japan nicht so formulieren würde. Stattdessen würde man sagen: “Katzen sind mögen-auslösend” – “猫が好き” (Neko-ga suki). Aber das musst du erst einmal wissen – für alle möglichen Äußerungen. Aber wie sollst du wissen, was in einer anderen Sprache wie gesagt wird, wenn du es nicht einfach übersetzen kannst?

Output ist kein Übersetzen!

Die Lösung ist einfach: Du lernst es durch den Input. Denn im Grunde ist der Output nicht die Übersetzung einer dir bekannten Sprache, sondern das Kopieren und schließlich Verändern des zuvor geübten Inputs. Du gibst also zu gegebener Zeit die Äußerungen wieder, von denen du durch viel Lesen und Hören weißt, dass du sie in bestimmten Situationen verwendest. Dann fängst du an, einzelne Wörter auszutauschen, um neue Ideen zu bilden.

Ohne Input keine Kommunikation: Andernfalls wäre jeder Versuch, selbst in einer Fremdsprache zu sprechen, vergebene Liebesmüh. Denn das Ziel von Output ist Kommunikation. Diese ist jedoch unmöglich, wenn du die Antwort auf das, was du sagst, nicht verstehen kannst. So kannst du als Anfänger weder das Schreiben noch das Sprechen effektiv üben und wirst dich immer wieder fragen, wie du jemals lernen willst, dich in deiner Zielsprache richtig auszudrücken.

Suche nicht sofort nach einem Tandem: Dein erster Reflex sollte deswegen nicht sein, sofort loszulaufen und auf Online-Plattformen nach einem Tandempartner für den Sprachaustausch zu suchen. Das wird dir viel Frust ersparen. Das größte Problem: Du triffst dort auf viele andere Anfänger. Und in einem Gespräch kann sich keiner richtig verständigen, weshalb viele nur allzu gerne auf Englisch ausweichen und die Gespräche meist nach der Vorstellung einschlafen.

Wie lernt man Schreiben und Sprechen?

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit dem Output zu beginnen? Es gibt keine eindeutige Antwort auf die Frage, wann du mit dem Output beginnen solltest. Es ist von Sprache zu Sprache verschieden. Wenn sich deine neue Zielsprache nur wenig von einer unterscheidet, die du bereits beherrschst, kannst du früher anfangen, als wenn es mehr Unterschiede gibt. Der Input sollte jedoch Vorrang haben, bis du das Gefühl hast, dass du genug verstehst, um dich effektiv unterhalten zu können.

Behalte dies im Hinterkopf, wenn du die folgenden Artikel über das Lernen des Output liest. Allerdings ist es nicht so, dass du überhaupt nicht an deinem Output arbeiten kannst, wenn du noch ganz am Anfang stehst. Der Schwerpunkt liegt zunächst jedoch auf anderen Aspekten, wie z.B. der Aussprache, die ich dir im nächsten Kapitel näher erläutern werde.

Profilbild von Mathias Dietrich

Ich bin der Betreiber von Kawaraban und beschäftige mich seit 2007 mit Japan und seiner Sprache.

Ich habe einen Bachelor of Arts in Japanologie erworben und ein Austauschstudium an der Senshu-Universität absolviert.

Seit 2018 lebe ich in Japan und berichte über das Land und mein Leben hier.

Eines meiner Ziele ist es, zukünftigen Generationen bessere Erklärungen zur Sprache zu bieten, als ich sie zur Verfügung hatte.

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