Japanischkurs
Japanische Begrüßung

Japanische Begrüßung: Sage niemals 私は!

In Lehrbüchern ist der allererste Satz, den du jemals lesen wirst, die japanische Begrüßung: “私はNameです” Und du solltest ihn so schnell wie möglich vergessen! Denn er ist unnatürlich. Das 私は sagst du nämlich nicht. Hier erklär ich dir wieso und wie du dich wirklich auf Japanisch vorstellst.

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Die Japanische Begrüßung erst zu erklären, nachdem ich dir die Grundlagen der Satzstruktur beigebracht habe, wirkt komisch. Immerhin will jeder so schnell wie möglich Japanisch sprechen können! Allerdings hat es einen Grund. Denn um zu verstehen, wie du dich auf Japanisch vorstellst, musst du erst die Funktionsweise der Partikeln は, が und dem Null-が kennen.

Es ist fortgeschrittenes Wissen: Letztendlich wollen die meisten bei dem Lernen einer Sprache mit der Begrüßung anfangen. Was normalerweise auch Sinn ergibt. Allerdings leidet Japanisch hier gewissermaßen an einer Besonderheit. Denn in jeder Situation läuft die Vorstellung anders ab. Zudem brauchst du meist eine höfliche Form, die diversen Ausnahmeregeln unterliegt und für deren Verständnis du bereits fortgeschrittenes grammatisches Wissen benötigst. Entsprechend greift dieses Kapitel hier bereits einiges vorweg.

Wie begrüßt du dich richtig auf Japanisch?

Die simpelste Begrüßung: Die einfachste Form der Vorstellung besteht aus einer Begrüßung, gefolgt von deinem Namen sowie einem です (desu). Das です kannst du dir an dieser Stelle einfach nur als höfliche Form der Kopula だ merken. Allerdings besitzt es auch zahlreiche Eigenheiten, auf die ich erst in einem späteren Kapitel eingehen werde. Danach folgt noch ein kurzer Abschluss. Eine simple Vorstellung ist etwa:

どうも。初めまして。マティアスです。よろしく。

Doumo. Hajimemashite. Mateiasu desu. Yoroshiku.

Hallo. Fang an-Höflich. (Ich) Mathias sein. Angemessen.

Die Begrüßung: どうも funktioniert in diesem Fall wie ein “Hallo”. Das Wort selbst hat aber noch andere Anwendungsmöglichkeiten und lässt sich nur schwer übersetzen. Das 初めまして ist eigentlich ein Verb, allerdings wird es in seiner て-Form als typische Begrüßungsfloskel verwendet. Es ähnelt von der Nutzung her sehr stark unserem “Schön Sie kennenzulernen!” Allerdings würde die Japanische Aussage übersetzt eher so viel bedeuten wie “Fangen Sie bitte an!”.

Die Nennung des Namens: Das Subjekt beider Sätze ist zudem unsichtbar, da es durch den Kontext ersichtlich ist. Im Standardfall handelt es sich bei diesem unsichtbaren Subjekt stets um das Pronomen “Ich”. Wenn du also sagst “[Name] です” ist das kein legeres “Bin [Name].”, sondern ein komplett höfliches “Ich bin [Name].”

Der Abschluss: Das よろしく ist eine weitere Floskel. Sie heißt letztendlich so viel wie “angemessen” und wird in etwa so eingesetzt wie die Phrase “Sehr erfreut.” im Deutschen.

Die typischen Fehler:

  • Beginn mit こんにちは: Viele Ausländer nutzen statt dem どうも ein こんにちは als Begrüßung. Das wirkt jedoch unnatürlich.
  • 私は: Die Nutzung von 私は mag grammatisch nicht falsch sein, wirkt auf viele Japaner aber ebenfalls sehr ausländerhaft.
  • Nutzung von どうぞ: Manch einer setzt ein どうぞ vor das よろしく. Auch das ist unnatürlich.

Wieso kein だ? Dass du Vorstellungen im Regelfall nie mit einem だ sehen wirst, hat den einfachen Grund, dass du das nur im Gespräch mit Freunden verwendest. Aber denen musst du dich natürlich nicht mehr vorstellen. Nur vor Kindern könntest du dich legerer Vorstellen. In dieser Situation wäre aber ein “[Name]って呼んでね!” natürlicher. Das heißt dann so viel wie “Rufe mich [Name]”. Die genaue Grammatik dieses Satzes lernst du in späteren Kapiteln kennen.

Eine besonders höfliche Begrüßung

Wenn du dich in einem besonders förmlichen Umfeld befindest und dich etwa in der Uni oder bei einer Firma vorstellst, gibt es eine noch höflichere Art und Weise der Begrüßung. Die will ich dir an dieser Stelle nur nennen. Denn um ihre Struktur zu verstehen, benötigst du bereits fortgeschrittenes Wissen über die Grammatik.

Das 初めまして bleibt erhalten. Jedoch wird in diesen Fällen noch der Abschluss um ein お願いします erweitert. Statt einem です nutzt du zudem das Verb 申す (mousu) was so viel wie “aussprechen” oder auch “heißen” bedeutet.

初めまして。マティアスと申します。よろしくお願いします。

Hajimemashite. Mateiasu to moushimasu. Yoroshiku Onegaishimasu.

Fang an-Höflich. (Ich) Mathias heißen-Höflich. Angemessen wünschen-Höflich.

Die Grammatik: Für den Aufbau kommt einmal die Zitatspartikel と zum Einsatz, sowie das sehr eigene Hilfsverb ます. Beide erkläre ich dir noch im Verlauf des Guides. Ich würde dir auch empfehlen, das Wissen nicht vorwegzugreifen. Denn es gibt zuvor noch einige elementare Aspekte, die du für das Verständnis wissen solltest.

Wann kannst du 私は nutzen?

Die Funktion des は: Die Nutzung von 私は funktioniert nur bei sehr speziellen Situationen. Diese hängen damit zusammen, was das は aussagt. Du weißt, dass es ein Thema hervorhebt, aber den Fokus auf das nach ihm lenkt.

Einzigartigkeit rechtfertigt das は: Entsprechend kommt es vor allem dann zum Einsatz, wenn sich deine Person aus einer Gruppe von Menschen durch irgendein Merkmal hervorhebt. Etwa, wenn im Krankenhaus sehr viele Ärzte und Krankenschwestern mit unterschiedlichen Aufgaben das Zimmer eines Patienten betreten.

Ein Name ist nicht besonders: Bei simplen Gruppenvorstellungen hingegen ist es ungebräuchlich. Denn jeder hat einen eigenen Namen.

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Die Text-Version des Grammatik-Guides ist komplett kostenlos. Du kannst ihn aber auch als physisches Buch oder eBook kaufen. Mehr Infos dazu findest du hier:
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Zudem gibt es eine begleitende Video-Version, in der ich die Erklärungen mit Animationen veranschauliche. Die ersten Kapitel sind kostenlos, damit du dir einen Eindruck machen kannst. Die späteren kannst du folgendermaßen ansehen:
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Profilbild von Mathias Dietrich

Ich bin der Betreiber von Kawaraban und beschäftige mich seit 2007 mit Japan und seiner Sprache.

Ich habe einen Bachelor of Arts in Japanologie erworben und ein Austauschstudium an der Senshu-Universität absolviert.

Seit 2018 lebe ich in Japan und berichte über das Land und mein Leben hier.

Eines meiner Ziele ist es, zukünftigen Generationen bessere Erklärungen zur Sprache zu bieten, als ich sie zur Verfügung hatte.

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