Die wichtige Funktion von “Zitaten” im Japanischen

Wie zitierst du im Japanischen?

Während du Zitate im Deutschen maximal bei Erzählungen brauchst, sind sie im Japanischen wesentlich wichtiger. Denn hier werden nicht nur Aussagen zitiert. Ich erkläre dir, wie es genau funktioniert, wieso und in welchem Umfang du im Japanischen zitierst.

Wo kommen die Infos her?

Ursprünglich hat CureDolly Japanisch erstmals so logisch zusammengefasst. Allerdings nur auf Englisch. Was ihren Guide auszeichnet, erkläre ich auf Youtube. Ich bereite ihre Informationen hier nur neu auf, um auch deutschsprachigen Lernern einen einfacheren Zugang zur Sprache zu geben. Ihren Originalguide findest du hier:

Zitieren mit と (to)

So zitierst du: Während du im Deutschen einfach zitieren würdest, indem du eine Aussage in Anführungsstriche setzt, brauchst du im Japanischen zusätzlich dazu noch die Partikel と. Die Anführungsstriche gibt es hingegen nicht. Stattdessen nutzt du eine eckige Klammer, wie im Beispiel zu sehen:

「面白いことがない」とアリスは言った。

(“omoshiroi-koto-ga nai” to Arisu-ha itta.)

“Interessante-Dinge sind nicht”, was Alice angeht, sagte.

と als Zitat: Die Partikel と hab ich in meiner Erklärung zu den Partikeln bereits als eines vorgestellt, dass zwei Satzteile miteinander verbinden kann und so viel wie “und” bedeutet. Allerdings kannst du prinzipiell davon ausgehen, dass es zwei verschiedene to gibt. Die wichtigste Funktion dieses と ist es, alles vor ihm zu einem Zitat zu machen. Was genau es macht und wie es auf der Satzebene funktioniert, erkläre ich später in diesem Kapitel. Denn an dieser Stelle musst du erst einmal nur die Zitatsfunktion verstehen.

Was ist こと (koto)? Ein weiterer unbekannter Teil des Satzes ist das Wort こと. Im Japanischen gibt es zwei verschiedene Worte, um ein “Ding” oder eine “Sache” zu bezeichnen. こと ist etwas Abstraktes. Im Gegensatz dazu gibt es noch もの, das einen physischen Gegenstand bezeichnet. 面白いこと ist also “Etwas interessantes”.

Die Kombination zweier Verben

Die Geschichte geht mit dem folgenden Satz weiter, den du hier erneut auf Japanisch, transliteriert und der wörtlichen, deutschen Übersetzung siehst:

その時白いうさぎが通り過ぎた。

(Sono toki, shiroi usagi-ga toori sugita.)

Zu jener Zeit, weißer Hase kam vorbei.

Tiefere Bedeutung durch zwei Verben: Neu ist hier die Form “toori sugita”. Die Verben einzeln kennst du möglich bereits. Hier stehen sie als eine Einheit. Zwei Verben werden  kombiniert, indem der i-Stamm von einem genutzt und dessen Bedeutung mit dem zweiten genauer definiert wird. Solche Kombinationen wirst du sehr häuig sehen.

Was heißt すぎる? In diesem Fall wird “tooru” (entlanggehen) mit “sugiru” (überschreiten) kombiniert. Entsprechend heißt es, dass ein weißer Hase vorbeikam. Er hielt nicht bei Alice an. Er ging den Weg entlang und passierte sie. So wird aus “entlanggehen” ein “vorbeigehen”.

Kombination von Substantiven

Tenten-Kombi: So wie du Verben kombinieren kannst, kannst du auch Substantive kombinieren. Das geht noch einfacher, weil Substantive keine verschiedenen Stammformen besitzen. Du setzt sie einfach aneinander und verpasst dem ersten Kana des zweiten Substantivs zwei Striche, auf Japanisch Tenten genannt, wodurch es sanfter ausgesprochen wird. Diese Form taucht im nächsten Satz auf:

ウサギは懐中時計を見て「遅い!遅い!」と言って、走り出した。

(Usagi-ha kaichuudokei wo mite “Osoi! Osoi!” to itte, hashiridashita.)

Was den Hasen angeht, er sah auf seine Taschenuhr und sagte “Ich bin spät! ich bin spät!” und rannte weg.

Ein Beispiel: In diesem Fall passiert das bei dem Wort “Kaichuudokei”. Kaichuu bedeutet hier so viel wie “In einer Tasche”. “Tokei” hingegen ist einfach nur “Uhr”. Zusammen heißt es demnach “Taschenuhr”. Aber da sie zusammen mit Kaichuu steht, wird das と zu einem ど. Du musst allerdings aufpassen. Denn das funktioniert nicht mit allen Substantiven.

Das macht die Partikel と im Detail

Da in diesem Satz mit “「Osoi! Osoi!」to itte” zudem erneut ein Zitat auftaucht, ist es die ideale Gelegenheit, um die Erklärung zur Funktion von と fortzusetzen.

Die Teile werden ein Substantiv: Von der Satzstruktur her betrachtet verwandelt die Partikel to alles, was sie markiert, in ein einziges Substantiv. Entsprechend ist es ein türkiser Wagon. Und es kann nicht nur Aussagen und Gedanken kombinieren, sondern alle möglichen Dinge. Das so entstandene Quasi-Substantiv wird durch das と ein Modifikator für das darauffolgende Verb. Dadurch hat es zudem eine leicht andere Funktion als das zuvor kennengelernte と, auch wenn beide grundlegend kombinieren.

Die grammatische Funktionsweise von to
To zitiert letztendlich nicht, es kombiniert Elemente zu einem Substantiv und beschreibt so ein Verb genauer. Was jedoch für Zitate genutzt werden kann.

Erklärung des Beispiels: Die Funktion als Zitat funktioniert, indem das と zeigt, welche Worte gesagt oder gedacht wurden. Der Hase sagt etwas und dieses Sagen macht das Geräusch “Osoi! Osoi!” Da der Hase zudem bereits als Thema des Satzes markiert wurde, musst du ihn nicht erneut nach dem to nennen, wie noch im ersten Beispiel zu Beginn dieses Kapitels.

Das bedeutet i-Stamm + 出す: Im Beispielsatz folgt als nächstes eine weitere Verbkombination, wie bereits oben erklärt. Hier steht はしる (rennen) mit 出す (herauskommen). Die erkläre ich hier noch einmal eigenständig, da du die Kombination mit dasu häufiger sehen wirst. Allerdings ist es keine Sonderform. Dasu bezeichnet hier eine Art plötzliches ausbrechen. Du nutzt es etwa auch, um “In Lachen ausbrechen” zu sagen: 笑い出す.

Abstrakte Funktionen von と

Du benötigst keine Sätze oder Gedanken: Als nächstes siehst du direkt an einem Beispiel, wie abstrakt to verwendet werden kann. Denn hier wird dir direkt auffallen, dass keine direkte Aussage oder Gedanke zitiert wird. Immerhin gibt es nirgendwo die entsprechenden eckigen Klammern:

でもウサギはぴょんぴょんとはしり続けた。

(Demo usagi-ha pyon-pyon-to hashiri tsuzuketa.)

Aber, was den Hasen angeht, hüpf-hüpf-machend rannte er weiter.

と ohne direkte Zitatsfunktion: Das Verb “hashiru” ist zudem nichts, was irgendwas äußern kann. Hier wird gesagt, dass der Hase nicht einfach rannte, sondern auf eine spezielle Art und Weise rannte. Nämlich mit kleinen Hüpfern. Eine Vorstellung, die auf Japanisch mit dem Onomatopeia, einem geschriebenen Geräusch, “Pyon-pyon” ausgedrückt wird.

Was macht と hier? Das to zitiert hier also nicht im bekannten Sinn. Es nimmt, was vor ihm steht, macht es zu einem Substantiv und beschreibt damit das Verb nach ihm genauer. Aus einfach nur “Rennen” wird “Hüpfend rennen”. Bedenke aber, dass das to nicht zwangsläufig mit Geräuschen stehen muss. To kann ganze Sätze mit ihrer eigenen Grammatik und Satzstruktur zu einem einzigen beschreibenden Substantiv eines Verbs machen.

Im nächsten Kapitel geht es mit dem weiter, was in den meisten Lehrbüchern stets als Passiv bezeichnet wird – was es jedoch nicht ist. Du lernst auszudrücken, wie Dinge eine Aktion erhalten.

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