Japanischkurs
Pimsleur ist eine Japanisch-App mit Fokus auf Sprechen.

Pimsleur: Ein problematischer Lernansatz

In Pimsleur sollst du Japanisch lernen, indem du dich komplett auf das Sprechen konzentrierst. Dafür sollen Aufnahmen von Muttersprachlern und ein KI-Coach sorgen. Ich habe mir die App genauer angesehen und erkläre, wie gut das funktioniert.

Was bietet Pimsleur?

Der Einstieg: Mach einfach!

Der Ansatz von Pimsleur ist: Lerne Japanisch, indem du es sprichst. Ich erwähnte bereits in vielen meiner Tests, dass dieser Ansatz an sich problematisch ist. Denn um etwas sagen zu können, muss man erstmal wissen, wie Japaner diesen Gedanken ausdrücken. Und danach muss man auch die Antwort verstehen können.

Dazu kommt, dass Sprachwissenschaftlich bewiesen ist, dass man eine Sprache erst eine Weile gehört haben muss, eh man in der Lage ist, ihre Aussprache richtig zu kopieren.

Pimsleur ignoriert beides komplett. Noch bevor du überhaupt ein Hiragana oder Katakana zu Gesicht bekommst, werden dir bereits komplette japanische Sätze entgegengeworfen, mit der generischen Ansage: "Sprich das nach, und achte auf die Aussprache!" Mehr nicht. Danach spielte es kommentarlos Wortteile ab.

Kurz darauf folgten noch einige Übersetzungen und seichte - teils fehlerhafte - Grammatikerklärungen. Etwa stimmte bereits die Erklärung zum Subjekt im Japanischen nicht.

Es beginnt also direkt mit Shadowing. An sich ist diese Praxis zum Training der Aussprache durchaus sinnvoll. Jedoch nicht in der Art und Weise, wie die App sie umsetzt. Denn zu diesem Zeitpunkt fehlt es einfach noch an Erfahrung, auf die man zurückgreifen kann, um die Tonlage richtig zu kopieren.

Dazu gibt es keinerlei Erklärungen zur Aussprache des Japanischen. Als Sprachlerner mit einer westlichen Muttersprache wie Deutsch wird man angesichts dessen auf Bekanntes zurückgreifen. Kurz: Man wird in lateinischen Buchstaben denken.

Doch japanische Zeichen haben ihre eigene Aussprache und jegliche Umwandlung in unser Alphabet ist maximal eine Annäherung. Aussprachefehler sind entsprechend vorprogrammiert. Und trotz des Fokus auf Sprechen, erklärt es auch den Pitch-Akzent, was das kopieren der korrekten Aussprache und auch das Verstehen von Japanisch grundlos erschwert.

Eine KI, die kaum Fehler erkennt

In der App selbst bekommt man stattdessen als ersten Punkt einen KI-Stimmtrainer. Und dessen Aufbau ist sehr fragwürdig. Denn er spielt zu Beginn die englische Version des Satzes ab und fordert mich auf, diesen auf Japanisch zu sagen. Die japanische Version hingegen kann ich nur auf expliziten Klick auf das Beispiel hören.

Dazu kommen typische Probleme derartiger KI-Trainer: Ich sprach das erste Beispiel "いい、えわかりません。" (Iie, wakarimasen.) zum Test mit komplett verzerrter Aussprache und einem rollenden R wie im deutschen ein. Pimsleur wieß mich auf keinen Fehler hin und gab mir prompt zwei von drei Sternen mit der Ansage "Good!"

 

Einzig komplett andere Wörter als die gezeigten zu sprechen. brachte die KI dazu, einen Fehler zu markieren. Belohnte das Unterfangen aber dennoch mit der Ansage "Fair". Entsprechend kann man der App nicht vertrauen, die Aussprache korrekt zu bewerten.

Einführung zum Lesen

Bei den Leselektionen widerspricht sich der Ansatz der App. Hier erklärt sie korrekt, dass du erst die Töne der Sprache kennen solltest, bevor du beginnst, zu lesen. Was durchaus stimmt. Nur stellt sich die Frage, wieso sie dann glaubt, man könne die Aussprache bereits mit Sprechen kopieren. Immerhin formst du einen Satz auch zunächst in Gedanken, eh du ihn äußerst.

Hier erklärt man auch korrekt, dass die Töne jeder Sprache komplett eigene sind. Was man jedoch bereits sagen sollte, bevor man die Lerner zum Sprechen animiert. Positiv ist zudem hervorzuheben, dass man hier auf eine Umschreibung in Romaji verzichtet.

Die Erklärungen des Schriftsystems sind dann jedoch wieder sehr durchwachsen. So erklärt man, dass jedes Hiragana für eine Silbe steht. Das ist durchaus korrekt. Nur gilt das auch für Deutsch und ist keine Besonderheit des Japanischen. Gleichzeitig bleibt die eigentliche Besonderheit der Sprache - dass es sich bei den Zeichen um Moren handelt - komplett unerwähnt.

Fortschritt im Schneckentempo

Die Lektionen sind zudem extrem langsam. Die erste dauert etwa 30 Minuten und gibt einem lediglich ca. ein dutzend Wörter, die es oft wiederholt. Und während Wiederholung durchaus wichtig ist, ist sie sehr ineffizient, wenn sie so gehäuft und nur im immer gleichen Kontext auftritt.

Weiter werden sehr oft generische Füllaussagen eingebaut, die letztendlich nur Zeit kosten. Wenn man sich etwa die Aussprache der Zeichen anhört, bringt es wenig, wenn jedes Mal nochmal angesagt wird "Lies nun Nummer 20!" oder das Zeichen einfach nur beschrieben wird, während du es sowieso selbst sehen kannst. Wenn man vorankommen will, frustriert das durchaus.

Unüberlegte Quizzes und Flashcards

Dazu kommen Dinge wie Quizzes, die dein Wissen überprüfen - dir aber nicht dabei helfen, besser zu werden. Zeit in diese zu investieren, bringt entsprechend wenig. Gerade, da du durch das Multiple-Choice-Format die Antworten gar vorgesagt bekommst. Denn der beste Test für deine Sprachfähigkeiten bleibt nach wie vor, ob du die Sprache verstehst, wo sie natürlich verwendet wird.

Und während ich zu Beginn noch lobte, dass es keine Romaji-Umschrift zeigt ... läuft es ab hier in genau diese Falle. Anstatt die Vokabeln auf Japanisch wenigstens mit Hiragana zu schreiben, werden sie dir komplett in lateinischen Buchstaben präsentiert.

Bereits nur Hiragana zu nutzen wäre bereits problematisch, aber noch vertretbar. Der Grund ist vor allem die große Anzahl an Homonymen der Sprache: Viele Wörter lassen sich nur anhand von Kanji (oder des nicht erklärten Pitch-Akzents) auseinanderhalten.

Die weiteren Punkte wiederholen das Problem. Erst bei der Herausforderung am Ende, fragt es, welches Skript du verwenden willst. Die ist jedoch erneut nicht der Rede wert, da du hier abermals nur aus einer Wortauswahl die richtige Übersetzung anklicken sollst.

Ein Risiko für deine Aussprache

Die Probleme von Pimsleur sind zahlreich und der undurchdachte Aufbau wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Fehler in deiner Aussprache festigen. Derartige schlechte Grundlagen später wieder auszubessern, ist zwar möglich, erfordert jedoch viel Aufwand.

Natürlich existiert die Chance, dass du durch Zufall selbst alles richtig machst und dich so verbesserst. Die Wahrscheinlichkeit dazu, wenn du als kompletter Anfänger die App herunterlädst, ist jedoch sehr gering. Abseits dessen respektiert die App auch deine Zeit nicht und wird dich viel mit eher nutzlosen Spielereien aufhalten.

Star Rating
Profilbild von Mathias Dietrich

Ich bin der Betreiber von Kawaraban und beschäftige mich seit 2007 mit Japan und seiner Sprache.

Ich habe einen Bachelor of Arts in Japanologie erworben und ein Austauschstudium an der Senshu-Universität absolviert.

Seit 2018 lebe ich in Japan und berichte über das Land und mein Leben hier.

Eines meiner Ziele ist es, zukünftigen Generationen bessere Erklärungen zur Sprache zu bieten, als ich sie zur Verfügung hatte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    ©
    2026