
Miyajima ist für die meisten ein Tagesausflug: Schrein besuchen, das Torii und mit der Seilbahn hoch auf den Misen. Und damit verpassen sie viele der Schätze auf der Insel! Ich zeige dir, was du alles auf der Insel erlebt haben musst und in welchen Hotels und Ryokans du am besten übernachtest - denn du solltest hier mehr als nur einen Tag verbringen!
Das bedeutet der Name: Miyajima ist eigentlich nur ein Spitzname und heißt so viel wie "Schreininsel". Der offizielle name der Insel ist Itsukushima und sie gehört zur Stadt Hatsukaichi.

Es gibt insgesamt vier Fähren bzw. Schiffe nach Miyajima, die von drei verschiedenen Häfen bzw. Anlegepunkten abfahren:
Besuchersteuer: Miyajima gehört zu den Gegenden, die wegen des Übertourismus in Japan eine Besuchersteuer eingeführt haben. Die beträgt 100 Yen (500 Yen für ein Jahresticket) und ist im Bootsticket zur Insel bereits enthalten. JR-Pass-Nutzer müssen hingegen ein Steuerticket bei Miyajimaguchi kaufen.
Wie genau du Bus, Bahn und Fähre in Hiroshima nutzt, findest du im folgenden Artikel heraus:
Auf Miyajima gibt es eine Menge zu sehen! Hier stell ich dir die Sehenswürdigkeiten ungefähr in der Abfolge vor, in der du ihnen vom Hafen aus begegnest. Alles kannst du jedoch nicht auf einer Route ansehen, denn es gibt auch diverse Abzweigungen!

Das schwebende Torii ist zweifellos das Wahrzeichen von Miyajima und einer der meistfotografierten Orte Japans. Das massive orangerote Tor scheint bei Flut auf dem Wasser zu schweben und markiert den Eingang zum heiligen Itsukushima-Schrein. Verankert ist es nicht: Es steht komplett durch sein Eigengewicht.
Der Schrein selbst ist eine architektonische Meisterleistung - komplett auf Stelzen über dem Wasser gebaut. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten erstrahlt das Torii seit 2023 wieder in vollem Glanz. Der gesamte Schrein-Komplex ist UNESCO-Weltkulturerbe und besonders bei Sonnenuntergang magisch, wenn die Laternen angehen.
Insider-Tipp: Für das wahre Highlight musst du deinen Besuch gut planen: Im Itsukushima Schrein gibt es nämlich regelmäßig Aufführungen von Bugaku, Noh oder Kagura.
Das Torii und den Itsukushima-Schrein musst du mindestens zwei Mal besuchen: Einmal bei Ebbe und einmal bei Flut. Wann du was siehst, kannst du meinem Gezeiten-Tracker entnehmen:
Quelle: Japan Meteorological Agency
Alle Zeiten werden in japanischer Ortszeit (JST, UTC+9) angezeigt.
Auf einem Hügel ganz in der Nähe des heutigen Hafens von Miyajima errichtete der Kriegsherr Mori Motonari im 16. Jahrhundert eine Burg. Diese Holzkonstruktion diente allerdings nicht als Festung, sondern als strategisches Täuschungsmanöver. Die Anlage sollte bewusst verwundbar erscheinen, um die Truppen des feindlichen Sue-Clans anzuziehen, der die Anlage einnahm. Darauf folgte Motonaris zahlenmäßig weitaus unterlegener, aber erfolgreicher Gegenangriff.
Heutzutage sieht man kaum noch, dass hier mal eine Festung stand. Denn viel ist von der nicht mehr übrig. Allerdings hast du hier einen netten kleinen Naturpfad, den kaum jemand besucht. Beworben wird der Platz so gut wie gar nicht. Auf dem Berg zeugt nur noch eine kleine Info-Tafel von dem damaligen Ereignis.

Miyajima Omotesando ist die Haupteinkaufsstraße und verbindet den Fähranleger mit dem Itsukushima-Schrein. Hier reihen sich traditionelle Holzhäuser aneinander, in denen Souvenirläden, Restaurants und Cafés untergebracht sind.
Besonders bekannt ist die Straße für ihre kulinarischen Spezialitäten: Probiere unbedingt die frittierten Momiji Manju (ahornblattförmige Kuchen mit verschiedenen Füllungen)! Zudem kann ich die Lemon Tea Soda sowie Macha Soda empfehlen, die du hier finden kannst.
Insider-Tipp: Wenn du etwas einkaufen willst, mach das zu Beginn deines Besuchs. Denn die ersten Läden schließen bereits 16 Uhr. Ab 17 Uhr bekommst du nichts mehr.

Auf dem Hügel direkt neben dem Itsukushima-Schrein ragen die leuchtend rote fünfstöckige Pagode (Gojunoto, 1407 erbaut) und die massive Senjokaku-Halle empor. Die Pagode ist dem Buddha der Heilung gewidmet, während die unvollendete Senjokaku ("Pavillon der 1000 Tatami-Matten") ursprünglich von Toyotomi Hideyoshi in Auftrag gegeben wurde.
Insider-Tipp: Von der erhöhten Plattform der Senjokaku-Halle hast du einen wunderbaren Blick auf den Itsukushima-Schrein und die Bucht.
Die oft übersehene Schatzkammer (Hōmotsukan) des Itsukushima-Schreins beherbergt eine beeindruckende Sammlung historischer Artefakte. Hier findest du kostbare Kultgegenstände, darunter Schwerter, Masken, Kalligraphien und Spiegel aus der Heian-Zeit.
Besonders sehenswert sind die kunstvollen Nō-Masken und die antiken Sutras mit Goldtinte. Die Ausstellung ist kompakt, aber hochwertig – perfekt für einen 20-minütigen Abstecher während deines Schreinbesuchs, den die meisten Touristen völlig verpassen.
Der Daigan-ji Tempel in Miyajima war bis zur Meiji-Zeit eng mit dem berühmten Itsukushima-Schrein verbunden und beherbergt die Itsukushima Benzaiten, eine der "drei großen Benzaiten Japans", die für Glück und Erfolg verehrt wird.
Du kannst hier einen besonderen Goshuin erhalten und solltest neben der Haupthalle auch der Itsukushima Drachengottheit im kleinen Teich deine Ehrerbietung erweisen.
Insider-Tipp: Kaufe einen traditionellen Miyajima Shamoji (Reisschaufel) direkt im Tempel statt in den Souvenirläden – diese haben ihren Ursprung in der Form der Biwa-Laute der Benzaiten und gelten als authentischer.
Das Miyajima Museum für Geschichte und Folklore zeigt dir die faszinierende Geschichte der Insel durch Kunstwerke und Artefakte des Schreins sowie Alltagsgegenstände der Inselbewohner. Das Museumsgebäude selbst ist ein historisches Juwel – ein etwa 160 Jahre altes ehemaliges Wohnhaus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, die im Sojasoßen-Geschäft zu Wohlstand kam.
Im vorderen Teil des Museums kannst du die original erhaltenen Wohnräume besichtigen, die einen wunderschönen Blick auf einen traditionellen japanischen Garten bieten.
Insider-Tipp: Besuche das Museum nach dem Itsukushima-Schrein, da es nur einen kurzen Spaziergang vom Schreinausgang entfernt liegt und eine perfekte Ergänzung zum Verständnis der lokalen Kultur darstellt.

Der Daishoin-Tempel ist das spirituelle Zentrum der Insel und einer der wichtigsten Tempel der Shingon-Sekte. Trotz seiner Bedeutung wird er von vielen Touristen übersehen, die sich nur auf den Itsukushima-Schrein konzentrieren.
Der Tempelkomplex erstreckt sich am Fuße des Berges Misen und beherbergt zahlreiche Hallen, Statuen und spirituelle Schätze. Besonders beeindruckend ist die Treppe mit den 500 Gebetsmühlen, die du beim Aufstieg drehen kannst, sowie die Sammlung von 1000 Statuen, die Rakan (erleuchtete Anhänger Buddhas) darstellen.
Insider-Tipp: Nimm an einer der regelmäßigen Feuerzeremonien teil, die im Tempel stattfinden. Diese spirituellen Rituale sind ein tiefgreifendes Erlebnis, selbst wenn du nicht religiös bist.

Mit 535 Metern ist der Berg Misen der höchste Punkt der Insel und bietet einen atemberaubenden 360-Grad-Blick über die Seto-Inlandsee und ihre zahllosen Inseln. Hier oben befindet sich auch das "ewige Feuer", das angeblich seit über 1200 Jahren brennt und von Kobo Daishi, dem Gründer der Shingon-Sekte, entzündet wurde.
Du kannst den Berg entweder zu Fuß über verschiedene Wanderwege besteigen (etwa 1,5-2 Stunden) oder die Seilbahn nutzen, die dich den Großteil des Weges hinaufbringt. Zu sehr seltenen Gelegenheiten kannst du den Gipfel gar bei Schnee erleben!
Insider-Tipp: Der Misen beherbergt sieben Wunder. Alle gibt es heutzutage nicht mehr, aber versuche, so viele wie möglich zu finden!

Wenn du auf Miyajima wanderst, solltest du unbedingt den Miyama Schrein besuchen, der sich nahe dem Gipfel des Berges Misen befindet. Kaum jemand kennt ihn und noch viel weniger Leute schreiben über ihn. Dabei ist er eine echte Besonderheit! Denn er ist am Himmel verankert! Der Legende nach wurde der Miyama-Schrein als hinterer Pavillon (Oku-no-miya) errichtet, als Taira-no-Kiyomori den Hauptschrein von Itsukushima baute. Hier werden dieselben drei Göttinnen verehrt wie im Itsukushima-Schrein: Ichikishima-hime, Tagori-hime und Tagitsu-hime. Die drei Schreingebäude sind in einer besonderen Formation angeordnet, wobei jedes Gebäude einer der Göttinnen gewidmet ist.
Von der erhöhten Position des Schreins aus kannst du eine atemberaubende Aussicht auf die Inlandssee genießen. Ursprünglich befand sich hier bis zur Meiji-Zeit ein Gebäude namens "Sankido" (Drei-Dämonen-Halle), das dann zum Miyama-Schrein umgewidmet wurde. Leider wurde der ursprüngliche Schrein in den 1990er Jahren durch einen Taifun zerstört, aber das wiederaufgebaute Gebäude mit seiner leuchtend roten Farbe ist ein wunderschöner Kontrast zur umgebenden Berglandschaft. Du kannst den Schrein erreichen, indem du von der Seilbahn-Station am Misen-Berg etwa 30 Minuten zu Fuß gehst – die Anstrengung lohnt sich definitiv für dieses himmlische Heiligtum!

Das Miyajima Aquarium konzentriert sich auf die Meereslebewesen der Seto-Inlandsee und bleibt mir immer in Erinnerung, weil ich hier endlich erfahren habe, wie die japanischen Muschelfarmen unter Wasser aussehen. Wobei ich sagen muss, dass die Haltung der Seelöwen und Tümmler hier etwas bedrückend auf mich wirkte.
Abseits dessen gibt es aber auch wesentlich üppiger gestaltete Teile, in denen sich die Meeresbewohner tummeln. An einigen Teilen kannst du dich zudem in eine kleine Aushölung stellen und dir vorstellen, wie es wäre, dieses Erlebnis direkt am Meeresgrund zu erleben.
Insider-Tipp: Kurz bevor du das Aquarium wieder verlässt, gibt es auf der rechten Seite eine unscheinbare Tür nach draußen. Folge dem Weg hier und du gelangst in einen weiteren Teil, wo du deine Hand in ein Fischbecken stecken kannst, damit diese sie reinigen!

Viele Besucher wissen nicht, dass Miyajima auch einen wunderschönen Sandstrand hat. Der Tsutsumigaura-Strand liegt etwa 45 Minuten zu Fuß vom Hauptort entfernt und ist ein perfekter Ort zum Entspannen abseits der Touristenmassen.
Im Sommer kannst du hier schwimmen und die Aussicht auf die umliegenden Inseln genießen. Achte aber auf die kleinen giftigen Fische, die sich in den Algen aufhalten. Es gibt auch einen Campingplatz direkt am Strand für Abenteuerlustige.
Insider-Tipp: Reise leicht bepackt. Die Rehe hier - wie auch auf dem Rest von Miyajima - verstehen das Konzept von Privateigentum nicht. Und wenn du schwimmen gehst, könnten sie schnell an deine Sachen gehen.
Der 1964 gegründete Miyajima Naturpflanzengarten der Universität Hiroshima erstreckt sich über 11,5 Hektar an der Nordküste der Insel. Zwischen dem Misen-Urwald und dem UNESCO-Weltkulturerbe Itsukushima-Schrein gelegen, beherbergt er hauptsächlich natürliche Wald- und Küstenvegetation mit Fokus auf subtropische und salztolerante Pflanzen.
Die Forschungsstation mit ihrer Sammlung von 350.000 Pflanzenexemplaren widmet sich der Ökologie und dem Naturschutz. Seit 1956 organisiert sie die "Hikobia-Pflanzenbeobachtungsgruppe", deren Bildungsarbeit 2010 von der Japanischen Botanischen Gesellschaft ausgezeichnet wurde und wesentlich zur Dokumentation der Flora Hiroshimas beigetragen hat.
Die meisten Besucher kommen nur für einen Tagesausflug nach Miyajima, aber die Insel zeigt ihre wahre Magie erst nach Sonnenuntergang, wenn die Tagesausflügler weg sind. Eine Übernachtung in einem traditionellen Ryokan ist ein unvergessliches Erlebnis.
Die Angebote reichen von luxuriös bis moderat im Preis und bieten traditionelle japanische Zimmer mit Tatami-Matten, Futon-Betten und oft Onsen (heißen Quellen). Zum Service gehört in der Regel ein aufwendiges Kaiseki-Abendessen mit lokalen Spezialitäten.
Insider-Tipp: Buche dein Ryokan weit im Voraus, besonders während der Hochsaison (Kirschblüte und Herbstlaub). Einige der besten Optionen sind das Iwaso, Miyajima Grand Hotel Arimoto und Kurayado Iroha.
Das 1854 gegründete IWASO liegt im malerischen Momijidani-Tal hinter dem Itsukushima-Schrein und bietet einen idealen Ausgangspunkt zur Erkundung der heiligen Insel Miyajima. Eingebettet in die Naturlandschaft erleben Gäste hier den Wechsel der Jahreszeiten - vom frischen Grün des Frühlings bis zur stillen Winterlandschaft.
Mit 38 Zimmern in drei verschiedenen Gebäudetypen vereint das Ryokan traditionelle japanische Gastfreundschaft und modernen Komfort. Die hauseigenen Onsen mit Innen- und Außenbädern bieten perfekte Entspannung nach einem Erkundungstag auf einer der drei schönsten Inseln Japans.
Das 1867 gegründete Itsukushima Iroha verbindet seit über 150 Jahren traditionelle japanische Handwerkskunst mit modernem Design. Die Gästezimmer bestechen durch handgefertigte Stuckarbeiten, japanisches Lackpapier und natürliche Holzmaterialien, die angenehm unter bloßen Füßen sind. Nordische Designermöbel von Finn Juhl und Fritz Hansen harmonieren perfekt mit der traditionellen japanischen Architektur und verleihen dem Haus eine zeitgemäße Funktionalität.
Im japanischen Kappo-Restaurant Miyajima Yohei im Erdgeschoss werden saisonale Köstlichkeiten aus der Setouchi-Region serviert. Das große Gemeinschaftsbad mit Außenbereich auf der obersten Etage bietet einen atemberaubenden Blick auf das ruhige Meer und das große Torii-Tor - der perfekte Ort, um Reisemüdigkeit abzustreifen und besondere Momente mit Ihren Liebsten zu verbringen.
Miyajima Jukeiso liegt auf einem Hügel und bietet einen atemberaubenden Blick auf die Höhepunkte der Insel: den Itsukushima-Schrein, die fünfstöckige Pagode, das O-torii-Tor und das Seto-Binnenmeer. Das Ryokan verspricht unvergessliche Erlebnisse in jeder Jahreszeit - von Kirschblüten im Frühling über die kühlende Sommerbrise bis hin zum farbenfrohen Herbstlaub und der verschneiten Winterlandschaft.
Die hausgemachte Küche präsentiert frische Meeresfrüchte aus dem Seto-Binnenmeer, besonders die berühmten Austern aus Hiroshima in der Herbstsaison. Nach einem Tag voller Entdeckungen können Gäste im privaten Freiluftbad entspannen und den nächtlichen Blick auf Miyajima genießen - eines der besonderen Highlights des Jukeiso.
Wenn du wissen willst, welche verschiedenen Unterbringungsarten es in Japan noch gibt, dann lohnt ein Blick in den folgenden Artikel!
Die meisten Besucher verbringen einen halben bis vielleicht einen Tag auf der Insel. Ein großer Fehler. Ich könnte hier genug Sehenswürdigkeiten und Events finden, um mindestens drei Tage beschäftigt zu sein. Wenn ich jemanden Miyajima zeige, gehe ich im Regelfall wie folgt vor:
Wenn du nur einen Tag hast, konzentriere dich auf den Itsukushima-Schrein und den Daishoin-Tempel. Wenn Zeit bleibt, kannst du den Gipfel noch mit der Seilbahn erkunden, aber ich werde dich stillschweigend dafür verurteilen, nicht zu Fuß hochgelaufen zu sein.

Ich bin der Betreiber von Kawaraban und beschäftige mich seit 2007 mit Japan und seiner Sprache.
Ich habe einen Bachelor of Arts in Japanologie erworben und ein Austauschstudium an der Senshu-Universität absolviert.
Seit 2018 lebe ich in Japan und berichte über das Land und mein Leben hier.
Eines meiner Ziele ist es, zukünftigen Generationen bessere Erklärungen zur Sprache zu bieten, als ich sie zur Verfügung hatte.