Wieso du dir Kagura in Japan ansehen musst

Susanoos Kampf gegen Orochi.

Kagura, das shintoistische Theater, gehört zu den Dingen, die wohl die wenigsten Touristen in Japan auf dem Schirm haben. Aber selbst wenn du kein Japanisch kannst, bekommst du hier ein beeindruckendes Erlebnis!

Was ist Kagura?

Wo kommt es her? Der Ursprung von Kakura sind die Erzählungen aus dem Kojiki und dem Nihon Shoki, den zwei ältesten Werken mit schriftlichen Überlieferungen von japanischen Mythen und Legenden. Denen zufolge zog sich die Sonnengöttin Amaterasu in eine Höhle zurück, wodurch die Welt in Kälte und Dunkelheit getaucht wurde. Die Gottheit Ame-No-Uzume brachte die anderen Götter dazu einen wilden Tanz aufzuführen, und somit Amaterasu dazu, wieder aus ihrer Höhle zu kommen.

Theater für die Götter: Kagura soll von diesem Ereignis abgelietet sein. Das Wort selbst bedeutet übersetzt so viel wie “Götterunterhaltung”. Ursprünglich waren es heilige Tänze, die von Schrein-Priesterinnen, die als Nachkommen von Ame-No-Uzume gelten, aufgeführt wurden. Im Laufe der Zeit verbreiteten sie sich jedoch immer weiter und es entwickelten sich verschiedene Formen. Heutzutage kannst du die Aufführungen mit einer Theateraufführung vergleichen.

Wie sehen die Aufführungen heute aus? Ich selbst sah die Geschichte Yamato-No-Orochi, und will dir natürlich nicht vorenthalten, wie diese spezifische Aufführung angelaufen ist.

Das erwartet dich beim Kagura

Ehepaar beim Kagura
Das Ehepaar hatte einst acht Töchter. Doch jedes Jahr forderte Orochi eine weitere.

Auch für Theatermuffel lohnenswert: Ich hab lange gebraucht, bis ich mir zum ersten Mal eine derartige Aufführung ansah. Bereits in Deutschland bin ich nicht häufig ins Theater und hatte deswegen nicht einmal darüber nachgedacht, das in Japan zu ändern. Aber es hat sich gelohnt!

Was kostet der Besuch? Ich habe die Tickets vorab im Konbini gekauft und für einen Sitzplatz in den vordersten Reihen 1.110 Yen (etwa 7,60 Euro) gezahlt. Die Preise können aber je nach Veranstaltung und Ort variieren.

Mitreißende Musik sorgt für Atmosphäre: Die Aufführung, die ich sah, dauerte ungefähr eine Stunde. Zu Beginn betraten die Musiker die Bühne und verneigten sich, eh sie sich an ihre klassischen japanischen Instrumente setzten. Trommeln und Flöten. Damit sorgten sie durchgehend für eine beeindruckende Atmosphäre, die sich mit Bildern allein einfach nicht wiedergeben lässt.

Der Kampf von Susanoo und Orochi

Eine tragische Geschichte: Danach ging es los. Eine Frau tanzte auf die Bühne, verfolgt von einer gewaltigen Schlange, die Orochi, eine Hydra aus der japanischen Mythologie darstellt. Die Frau wird schließlich von Orochi gefressen und die beiden verschwinden von der Bühne. Diese Szene siehst du im folgenden Video:

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Die List Susanoos: Als nächstes betritt ein trauerndes Ehepaar gemeinsam mit ihrer Tochter die Bühne. Sie treffen auf einen mysteriösen Mann, Susanoo, der sie fragt, was sie so traurig stimmt. Sie erzählen ihm, dass sie einst acht Töchter hatten. Aber jedes Jahr fraß Orochi eine von ihnen. Nun ist das achte Jahr gekommen. Darauf entwickelt Susanoo eine List, um Orochi zu besiegen. Das Ehepaar bereitet sie vor, indem sie Sake brauen.

Der Auftritt der Riesenschlange: Während Orochi eigentlich acht Köpfe hat, muss er auf der Bühne aus Platzmangel mit drei auskommen. Die werden mit einem langen und sehr imposanten Tanz präsentiert. Und ich bin jetzt noch beeindruckt, wie die Tänzer es schafften, ihre Kostüme hier handzuhaben. Schließlich trinkt Orochi mit allen Köpfen den Sake und schläft ein.

Orochi trinkt Sake
Orochi fällt auf die List Susanoos herein und trinkt den Sake.

Das Ende des Monsters

Susanoos Kampf: Nun betritt Susanoo wieder die Bühne und nimmt den Kampf mit Orochi auf. Es gelingt ihm, nach und nach zwei der Köpfe abzuschlagen. Schließlich gibt es nur noch ihn und den letzten Kopf des Ungetüms. Und dieser Augenblick ist mir besonders in Erinnerung geblieben.

Unerwartete Effekte: Als Susanoo den finalen Stoß gegen Orochi setzt, spritzt plötzlich Blut aus dem Mund des Ungeheuers! Um genau zu sein, hat man einige farbige Fäden in die Luft geschossen. Aber die haben ihre Wirkung erzielt. Dummerweise kam das alles so unerwartet, dass ich genau von diesem Moment kein gutes Bild machen konnte.

Ein Fund im Körper des Ungetüms: Als Susanoo die Bestie erschlägt, bemerkt er einen metallenen Gegenstand in deren Körper und zieht ihn hinaus. Es ist das Schwert Kusanagi-No-Tachi, eine der Throninsignien Japans. Und mit dem Triumph über die Bestie endet die Aufführung.

Susanoo mit einem abgetrennten Kopf von Orochi.
Nach und nach schlägt Susanoo die einzelnen Köpfe von Orochi ab.

Ein guter Zeitvertreib

Mich hat die Aufführung letztendlich so sehr beeindruckt, dass ich in Zukunft definitiv häufiger nach derartigen Veranstaltungen Ausschau halten werde. Es gefällt mir zudem, dass das Zeitinvestment überschaubar bleibt. Mit einer Stunde endete sie auf einem guten Höhepunkt und zog sich nicht in die Länge.

Wer sucht, findet jedoch auch längere Vorführungen. Und wenn du direkt eine ansehen willst, kannst du das sogar kostenlos auf dem Youtube-Kanal des Kulturzentrums in Hiroshima machen. Einen weiteren religiösen Brauch Japans stell ich dir hingegen in meinem Artikel zu Sangaku vor:

2 Kommentare zu „Wieso du dir Kagura in Japan ansehen musst“

  1. Sehr informativer Artikel mit ganz ausgezeichnete Aufnahmen! Macht richtig neugierig und vermittelt strukuriert und übersichtlich Wesentliches! Würde sich sogar in Programmbroschüren von Theatern gut machen.

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