
Wenn du Japan besuchst, ist es nicht gerade unwahrscheinlich, dass du ein Erdbeben erleben wirst. Doch keine Panik! Ich erkläre dir hier, wie schlimm die meisten Erdbeben in Japan wirklich sind und was du sonst noch wissen musst!
Erdbeben gibt es vor allem in der Region um Tokio herum häufig. Entsprechend sind viele Einwohner Japans daran gewöhnt und auch die Gebäude sind darauf ausgelegt. Im Regelfall kannst du sie also wie eine Massage von Mutter Natur betrachten. Worauf genau du dich gefasst machen musst, erfährst du auch im folgenden Video.
Die simpelste Regel lautet: Beobachte die Einheimischen. Wenn es wackelt und niemand reagiert, dann gibt es im Regelfall keinen Grund zur Panik.
Natürlich sind deine Mitmenschen jedoch nicht allwissend und könnten eine drohende Gefahr unterschätzen. Entsprechend solltest du selber dennoch ein wenig Obacht geben, ob in der Nähe nicht irgendwelche Objekte sind, die dir auf den Kopf fallen können.
Im Ernstfall solltest du dich an den folgenden sechs Punkten orientieren und entsprechend reagieren.
Das hängt von der Stärke des Erdbebens ab. Ein Beben mit einer Intensität von eins auf der in Japan genutzten Shindo-Skala wirst du beispielsweise nur merken, wenn du sitzt. Zuerst wirst du vielleicht denken, dass dir ein klein wenig schwindlig ist und dann ist es auch schon wieder vorbei. Bist du gerade unterwegs, bekommst du es wahrscheinlich nichtmal mit.
Ab der Stärke zwei bemerkst du womöglich einige leicht wackelnde Lampen. Erst ab Stärke drei bekommst du die Erdbeben auch außerhalb von Gebäuden mit. Dann fangen die Stromleitungen an zu wackeln. Fängt hingegen gar das Licht an zu flackern, handelt es sich um ein Beben der Stufe vier. Ab fünf und höher kann es zu Rissen im Boden kommen und selbst Japaner werden unruhig.
Bist du gerade im Zug, wenn es etwas heftiger wackelt, dann musst du mit einer Verspätung rechnen. Denn die halten aus Vorsicht eine Weile an, um die Schienen zu überprüfen. Nach einigen Minuten geht die Fahrt dann ganz normal weiter.
Ja! In Japan gibt es viele Möglichkeiten an kurzen Notfallkursen teilzunehmen, die dich auf ein Erdbeben vorbereiten und teilweise gar direkt erleben lassen! Ein Beispiel ist das Life Safety Learning Center in Tokio, Ikebukuro, das von der hiesigen Feuerwehr betrieben wird.
Hier lernst du nicht nur das korrekte Verhalten während eines Erdbebens, sondern auch den Umgang mit Feuerlöschern und wie du dich im Brandfall zu verhalten hast. Dein neu erlangtes Wissen kannst du dann in einigen Simulationen direkt anwenden.
Japan hat Erfahrung und sich gerade seit dem katastrophalen Kanto-Erdbeben im Jahr 1923 darauf eingestellt. Die Infrastruktur des Landes ist auf entsprechende Ereignisse vorbereitet.
Die Hochhäuser in Japan sind beispielsweise bei weiten nicht so unbeweglich, wie es den Anschein hat. Sie können sich bewegen. Und sollen das sogar! Denn so nehmen sie keinen Schaden, wenn es bebt.
Doch auch kleinere Bauten können der wackelnden Erde standhalten. Sie sind so gebaut, dass nach einem kleineren Erdbeben nicht einmal Reparaturen notwendig sind, denn das wäre inakzeptabel: Immerhin müssten dann fast ständig Reparaturen durchgeführt werden! Im Falle von größeren Beben müssen die Gebäude hingegen zumindest die Sicherheit ihrer Einwohner garantieren.

Die Gebäude in Japan stehen nicht auf festen Fundament, sondern auf einem Schock-Absorber. Der entnimmt dem Erdbeben mit einem Prozess, der sich seismische Isolation nennt, die Energie. Hinter diesen tollen Worten kann sich etwas so simples verstecken wie eine 50 Zentimeter dicke Schicht Gummi.
Gerade größere Bauten setzen zusätzlich dazu noch auf komplexere Mechaniken wie speziell angefertigte Bewegungsdämpfer. Und auch das Layout der Gebäude selbst hilft, Schaden zu vermeiden.
Bei all diesen Vorkehrungen mag sich der ein oder andere Wundern, wieso das Kernkraftwerk in Fukushima während dem großen Tohoku-Erdbeben von 2011 so starke Schäden davontrug.
Der Grund war hier nicht das Erdbeben direkt, sondern der dadurch ausgelöste Tsunami, der größer war als die vorhandenen Schutzwände. Vereinfacht gesagt erlitt Fukushima starke Wasserschäden. Dem Erdbeben selbst hielt das Gebäude jedoch stand.
In Japan gibt es täglich Erdbeben. Die meteorologische Vereinigung (JMA) registriert täglich mehrere Erdbeben mit einer Intensität von eins oder zwei auf der Shindo-Skala. Auch welche mit einer Stärke von drei und vier sind häufiger.
Ob du sie spürst, ist allerdings eine andere Frage. Gerade in Tokio oder im Norden des Landes wirst du häufiger mitbekommen, dass die Erde wackelt. Im Süden ist es hingegen meist etwas ruhiger.

Quelle: Wikimedia Commons (Geändert)
Die japanische Landmasse liegt vergleichsweise ungünstig. Nämlich direkt zwischen vier Kontinentalplatten: der nordamerikanischen, pazifischen, eurasischen und phillipinischen.
Da diese sich ständig aneinander reiben, wird Spannung im Boden aufgebaut. Diese entläd sich dann irgendwann mit einem Erdbeben. In Japan ist die Frage also nicht ob es beben wird, sondern wann.

Ich bin der Betreiber von Kawaraban und beschäftige mich seit 2007 mit Japan und seiner Sprache.
Ich habe einen Bachelor of Arts in Japanologie erworben und ein Austauschstudium an der Senshu-Universität absolviert.
Seit 2018 lebe ich in Japan und berichte über das Land und mein Leben hier.
Eines meiner Ziele ist es, zukünftigen Generationen bessere Erklärungen zur Sprache zu bieten, als ich sie zur Verfügung hatte.
le ARiTe says:
Sehr informativer Artikel! Vielen Dank für diesen aussagekräftigen Guide!