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Erdbeben in Japan: Wieso gibt es sie, wie bleibst du sicher?

Erdbeben in Japan sind selten gefährlich. Aber du solltest vorbereitet sein!
Erdbeben in Japan sind selten gefährlich. Aber du solltest vorbereitet sein!

Wenn du Japan besuchst, ist es nicht gerade unwahrscheinlich, dass du ein Erdbeben erleben wirst. Doch keine Panik! Ich erkläre dir hier, worauf du in Japan achten musst, wenn die Erde wackelt.

Was tun, wenn es bebt?

Erdbeben gibt es vor allem in der Region um Tokio herum häufig. Entsprechend sind viele Einwohner Japans daran gewöhnt und auch die Gebäude sind darauf ausgelegt. Im Regelfall kannst du sie also wie eine Massage von Mutter Natur betrachten.

Die simpelste Regel lautet: beobachte die Einheimischen. Wenn es wackelt und niemand reagiert, dann gibt es im Regelfall keinen Grund zur Panik.

Natürlich sind deine Mitmenschen jedoch nicht allwissend und könnten eine drohende Gefahr unterschätzen. Entsprechend solltest du selber dennoch ein wenig Obacht geben, ob in der Nähe nicht irgendwelche Objekte sind, die dir auf den Kopf fallen können.

Verhaltens-Guide

Im Ernstfall solltest du dich an den folgenden sechs Punkten orientieren und entsprechend reagieren.

  • Schutz suchen: Verstecke dich unter einem Tisch und halte dich an dessen Bein fest, um vor herabfallenden Gegenständen geschützt zu sein. Auch an anderen Orten gilt: Festhalten und den Kopf sowie Nacken schützen.
  • Im Auto: Fahre an die Straßenseite und halte an.
  • Renne nicht los: Wenn der Boden wackelt kann es schwer sein, das Gleichgewicht zu halten. Und bei Stürzen könntest du dich verletzen.
  • Schalte das Gas ab: Die meisten Öfen in Japan werden mit Gas betrieben. Gleiches gilt für Wasserboiler. Während eines Erdbebens könnten die Leitungen beschädigt werden. Drehe deswegen die Gaszufuhr ab.
  • Öffne die Türen: Während eines Erdbebens könnten sich Gebäude verschieben und das Öffnen von Türen verhindern. Versuche deswegen so früh wie möglich einen Fluchtweg sicherzustellen.
  • Packe einen Notfallrucksack: Für den Katastrophenfall ist es sinnvoll, jederzeit einen Rucksack mit überlebensnotwendigen Sachen wie Trockennahrung, Medizin, Kleidung und Taschenlampe bereitstehen zu haben.
  • Suche Notfallunterkünfte: Jeder Ort in Japan hat vorgeschriebene Fluchtwege zu Notfallunterkünften. Über diese kannst du dich beim Rathaus informieren.

Was passiert bei einem Erdbeben?

Das hängt von der Stärke des Erdbebens ab. Ein Beben mit einer Intensität von eins auf der in Japan genutzten Shindo-Skala wirst du beispielsweise nur merken, wenn du sitzt. Zuerst wirst du vielleicht denken, dass dir ein klein wenig schwindlig ist und dann ist es auch schon wieder vorbei. Bist du gerade unterwegs, bekommst du es wahrscheinlich nichtmal mit.

Ab der Stärke zwei bemerkst du womöglich einige leicht wackelnde Lampen. Erst ab Stärke drei bekommst du die Erdbeben auch außerhalb von Gebäuden mit. Dann fangen die Stromleitungen an zu wackeln. Fängt hingegen gar das Licht an zu flackern, handelt es sich um ein Beben der Stufe vier. Ab fünf und höher kann es zu Rissen im Boden kommen und selbst Japaner werden unruhig.

Bist du gerade im Zug, wenn es etwas heftiger wackelt, dann musst du mit einer Verspätung rechnen. Denn die halten aus Vorsicht eine Weile an, um die Schienen zu überprüfen. Nach einigen Minuten geht die Fahrt dann ganz normal weiter.

Kann ich mich darauf vorbereiten?

Ja! In Japan gibt es viele Möglichkeiten an kurzen Notfallkursen teilzunehmen, die dich auf ein Erdbeben vorbereiten und teilweise gar direkt erleben lassen! Ein Beispiel ist das Life Safety Learning Center in Tokio, Ikebukuro, das von der hiesigen Feuerwehr betrieben wird.

Hier lernst du nicht nur das korrekte Verhalten während eines Erdbebens, sondern auch den Umgang mit Feuerlöschern und wie du dich im Brandfall zu verhalten hast. Dein neu erlangtes Wissen kannst du dann in einigen Simulationen direkt anwenden.

Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es?

Japan hat Erfahrung und sich gerade seit dem katastrophalen Kanto-Erdbeben im Jahr 1923 darauf eingestellt. Die Infrastruktur des Landes ist auf entsprechende Ereignisse vorbereitet.

Die Hochhäuser in Japan sind beispielsweise bei weiten nicht so unbeweglich, wie es den Anschein hat. Sie können sich bewegen. Und sollen das sogar! Denn so nehmen sie keinen Schaden, wenn es bebt.

Doch auch kleinere Bauten können der wackelnden Erde standhalten. Sie sind so gebaut, dass nach einem kleineren Erdbeben nicht einmal Reparaturen notwendig sind, denn das wäre inakzeptabel: Immerhin müssten dann fast ständig Reparaturen durchgeführt werden! Im Falle von größeren Beben müssen die Gebäude hingegen zumindest die Sicherheit ihrer Einwohner garantieren.

Wie funktioniert das?

Ein Schwingungsdämpfer wie dieser im Taipei 101 absorbiert die Energie von Erdbeben.
Ein Schwingungsdämpfer wie dieser im Taipei 101 absorbiert die Energie von Erdbeben.

Die Gebäude in Japan stehen nicht auf festen Fundament, sondern auf einem Schock-Absorber. Der entnimmt dem Erdbeben mit einem Prozess, der sich seismische Isolation nennt, die Energie. Hinter diesen tollen Worten kann sich etwas so simples verstecken wie eine 50 Zentimeter dicke Schicht Gummi.

Gerade größere Bauten setzen zusätzlich dazu noch auf komplexere Mechaniken wie speziell angefertigte Bewegungsdämpfer. Und auch das Layout der Gebäude selbst hilft, Schaden zu vermeiden.

Wie kam es zur Katastrophe in Fukushima?

Bei all diesen Vorkehrungen mag sich der ein oder andere Wundern, wieso das Kernkraftwerk in Fukushima während dem großen Tohoku-Erdbeben von 2011 so starke Schäden davontrug.

Der Grund war hier nicht das Erdbeben direkt, sondern der dadurch ausgelöste Tsunami, der größer war als die vorhandenen Schutzwände. Vereinfacht gesagt erlitt Fukushima starke Wasserschäden. Dem Erdbeben selbst hielt das Gebäude jedoch stand.

Wie häufig sind die Erdbeben?

In Japan gibt es täglich Erdbeben. Die meteorologische Vereinigung (JMA) registriert täglich mehrere Erdbeben mit einer Intensität von eins oder zwei auf der Shindo-Skala. Auch welche mit einer Stärke von drei und vier sind häufiger.

Ob du sie spürst, ist allerdings eine andere Frage. Gerade in Tokio oder im Norden des Landes wirst du häufiger mitbekommen, dass die Erde wackelt. Im Süden ist es hingegen meist etwas ruhiger.

Auf diesem Bild siehst du einige der Ursprünge von Erdbeben, die Japan aufgezeichnet hat.
Auf diesem Bild siehst du einige der Ursprünge von Erdbeben, die Japan aufgezeichnet hat.

Quelle: Wikimedia Commons (Geändert)

Wieso bebt es in Japan so oft?

Die japanische Landmasse liegt vergleichsweise ungünstig. Nämlich direkt zwischen vier Kontinentalplatten: der nordamerikanischen, pazifischen, eurasischen und phillipinischen.

Da diese sich ständig aneinander reiben, wird Spannung im Boden aufgebaut. Diese entläd sich dann irgendwann mit einem Erdbeben. In Japan ist die Frage also nicht ob es beben wird, sondern wann.

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