Yakuza: Was steckt hinter der japanischen Mafia?

Yakuza

Die Yakuza sind auch heute noch in Japan aktiv. Doch was genau hat es mit ihnen auf sich? Das organisierte Verbrechen Japans ist nämlich nicht nur in illegale Machenschaften verstrickt, was sich auch auf ihr Ansehen unter den Japanern selbst auswirkt.

Was bedeutet "Yakuza" überhaupt?

Zunächst einmal stellt sich jedoch die Frage, was der Begriff Yakuza überhaupt bedeutet und wo das Wort herkommt. Weil weder die Yakuza selbst bezeichnen sich so, noch tun es die Polizei oder die japanischen Medien.

Die Eigenbezeichnung der Yakuza selbst ist Ninkyou Dantai. Auf Deutsch heißt das so viel wie “Ritterliche Organisation”. Aber auch der Begriff Gokudou wird genutzt, was du als “Der extreme Weg” übersetzen kannst. Für Polizei und Medien hingegen sind es einfach Bouryokudan. Das hingegen bedeutet einfach nur “Gewalttätige Gruppen”.

Der Begriff Yakuza stammt von dem Kartenspiel Oichu-Kabu. Die schlechteste Karten-Kombination in diesem Spiel besteht aus “8, 9, 3”, was du auf Japanisch “Ya-ku-za” aussprichst. Das Wort ist also vergleichbar mit unserem “08/15” und bezeichnet etwas, das für nichts zu gebrauchen ist.

Yakuza

Die verschiedenen Yakuza-Gruppen

Yakuza sind nicht gleich Yakuza. Es gibt viele verschiedene Gruppierungen, die auch im Konflikt miteinander stehen. Die größte Yakuza-Gruppierung ganz Japans ist die Yamaguchi-Gruppe, die in Kobe gegründet wurde und mittlerweile Gebiete in ganz Japan und gar dem Ausland für sich beansprucht.

Stand 2020 besaß die 8.200 aktive Mitglieder. Klingt nach viel, allerdings sinken ihre Zahlen immer weiter. 2012 hatten sie 34,900 Mitglieder. In den Jahren zuvor waren es nochmal wesentlich mehr. Dennoch zählt sie nach wie vor zu einer der reichsten Verbrechergruppen weltweit.

Es gibt jedoch auch noch zahlreiche kleinere Gruppen. Etwa die Kyosei- und die Kyodo-Vereinigung. Obwohl es die größten in der Präfektur Hiroshima sind, kommen sie heutzutage zusammen auf nur noch etwa 200 offizielle Mitglieder.

Im Vergleich mit der Yamaguchi-Gruppe wirkt das wesentlich familiärer. Aber ihre geringe Mitgliederzahl bedeutet nicht, dass sie unbedeutend sind. Ihre Taten sind berüchtigt und dienen zudem als Vorlage für zahlreiche Filme. Erst 2021 erschien zum Beispiel Blood of Wolves 2.

Büroarbeit im organisierten Verbrechen

Auch wenn es natürlich Gebiete gibt, in denen die Gangster aktiver sind als in anderen, gibt es kein regelrechtes Yakuza-Gebiet. Vertreten sind sie dennoch in vielen Städten. Und das mit offiziellen Büros, die auch der Polizei bekannt sind.

Bei denen handelt es sich in den meisten Fällen einfach nur um ganz normale Miet- oder Eigentumswohnungen, die oftmals nichteinmal aus dem Stadtbild hervorstechen. Wenn du schon einmal eine der größeren Städte Japans besucht hast, bist du wahrscheinlich schonmal an einem Yakuza-Büro vorbeigelaufen, ohne es bemerkt zu haben. 

Wenn du in dem Land eine Wohnung mieten willst, solltest du allerdings recherchieren, ob es mal ein Yakuza-Büro war. Es ist nämlich durchaus schon vorgekommen, dass einige der Gangster nicht ganz so gut informiert waren und ein altes Büro ihrer Konkurrenz angegriffen haben. Ungünstig, wenn du zu diesem Zeitpunkt gerade darin wohnst.

Die Yakuza von Hiroshima

Da ich selbst in Hiroshima wohne, interessieren mich die hier ansässigen Gruppen etwas mehr. Im Gegensatz zur Yamaguchi-Gruppe wirst du von denen jedoch nicht ganz so häufig hören. Die größte hier ist die Kyosei-Vereinigung mit etwa 120 aktiven Mitgliedern.

Die wurde 1964 von Tatsuo Yamamura gegründet, der 7 Yakuza-Clans unter dem neuen Banner vereinte. Sie sind vor allem wegen ihrer heftigen Konflikte mit anderen Yakuza-Gruppen bekannt und brachten Hiroshima den Ruf der “Stadt der Gewalt” ein.

Seit ihrer Gründung ist diese Gruppe im Konflikt mit der Yamaguchi-Gruppe, weswegen sie im Jahr 1996 die Anti-Yamaguchi-Gruppierung Gosha gemeinsam mit der Kyodo-Vereinigung, Asano-Gruppe, Goda-Ikka und Shinwa-Vereinigung gründeten.

An dieser Stelle ein Filmtipp: Battles Without Honor or Humanity beziehungsweise auf Japanisch Jingi Naki Tatakai basiert auf den echten Yakuza-Konflikten Hiroshimas im 20. Jahrhundert, die zur Gründung der Kyosei-Kai führten.

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Aufstieg bis in die Politik

Die Kyodo-Vereinigung ist ebenfalls noch erwähnenswert. Es ist mit etwa 80 Mitgliedern die zweitgrößte Gruppe in der Präfektur Hiroshima und wurde in Onomichi von Tokujiro Takahashi gegründet.

1951 wurde der gar in den Stadtrat von Onomichi gewählt und es wird behauptet, dass er angeblich einer der einflussreichsten Menschen der Stadt war. Wenige Jahre darauf schaffte er es gar in den Rat der Präfektur von Hiroshima. Seine Karriere endete abrupt im Jahr 1967, als er wegen illegaler Wetten auf ein Baseball-Spiel festgenommen wurde.

Der Fall der Yakuza

Da die Zahlen der Yakuza selbst mittlerweile so stark geschrumpft sind, wirst du sie auch in der Öffentlichkeit wesentlich seltener sehen. Was viele Touristen in Japan gerne mal für Yakuza halten, dürften in den meisten Fällen einfach nur Hosts aus den zahlreichen Host-Clubs sein, die du in den Rotlichtbezirken von großen Städten findest.

Die Yakuza sind noch kein Relikt der Vergangenheit. Auch wenn sie auf dem besten Weg dahin sind: Die Gruppen schrumpfen nachweislich und es wird für den Nachwuchs immer weniger lukrativ, dort beizutreten. Sie müssen viel opfern, und bekommen kaum noch Vorteile dadurch. Und so manch Ex-Yakuza bereut mittlerweile seinen Weg. Ganz einfach, weil sie jetzt ohne Ausbildung oder Job dasitzen, obwohl gar Staat und Polizei versuchen, sie bei ihren neuen legalen Lebensweg zu unterstützen.

Gerade in der jüngeren Vergangenheit haben die Gangster immer mehr von ihren einstigen Privilegien verloren. Am 24. August 2021 wurde etwa zum ersten Mal ein Yakuza-Boss – Nomura, der Anführer der Kudo-Kai aus Fukuoka – wegen Mordes zum Tode verurteilt. In der Vergangenheit kamen sie im Regelfall davon, indem sie eine großzügige Spende machten und sich entschuldigten. Ins Gefängnis musste dann nur der Handlanger, der den Auftrag ausgeführt hat.

In der Vergangenheit gingen viele der jüngeren Yakuza Mitglieder unter solchen Umständen in ins Gefängnis. Mit etwa 40 Jahren wurden sie schließlich entlassen, und genossen dann unter ihresgleichen ein wesentlich höheres Ansehen. Heutzutage ist der Weg ins Gefängnis hingegen oftmals das Aus für sie. Denn die Anti-Yakuza-Gesetze in Japan wurden in den letzten Jahren immer strenger.

Wenn du sehen willst, wie die Polizei gegen die Yakuza vorgeht, schau dir einfach das folgende Video an. Das zeigt einen Besuch der Gesetzeshüter bei einem Yakuza-Büros.

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So machen die Organisationen Geld

Nach wie vor stecken sie jedoch in allem drin, was Geld macht: Erpressung, Glücksspiel, die Sex-Industrie, Waffen- und Drogenhandel, Immobilien, Manipulation das Aktienmarktes, Internet-Pornographie und noch zahlreichen weiteren illegalen Machenschaften. Seit mindestens 2017 verdienen sie sich gar als Angler, indem sie Seegurken sammeln.

Klingt komisch, ist aber so. In China gelten die als Delikatesse. Ein Kilo geht dort für etwa 80 Euro über die Ladentheke. Dadurch sind Seegurken mittlerweile eine der größten Einnahmequellen der Yakuza.

2017 hat die Polizei etwa einen der Bosse der Yamaguchi-Gumi festgenommen, weil er im Besitz von 60 Tonnen Seegurken war. Der Preis: 765.000 Euro. Und das war nicht das letzte Mal, dass die Polizei einen Yakuza wegen Seegurken-Wilderei festgenommen hat. Das geschieht auch nicht aus Langeweile. Illegales Fischen von Seegurken führt zu starken Umweltschäden. Mehr dazu, im folgenden Artikel:

Soziales Engagement

Dass die Yakuza dennoch oftmals als so ehrenvoll und rechtschaffend angesehen werden, hat seinen Grund. Denn sie sind auch sozial aktiv und engagieren sich in der Gemeinschaft. Zum Beispiel, indem sie nach Naturkatastrophen aushelfen

Nach dem Kobe Erdbeben von 1995 halfen sie zum Beispiel bei der Verteilung von Lebensmitteln und und anderen Gütern und waren schneller sowie effektiver damit, als die Regierung. Ähnlich waren sie auch in Fukushima nach dem Tsunami im Jahr 2011 tätig. In der Region öffneten sie sogar ihre Büros für die Öffentlichkeit, um den Menschen dort ein Obdach zu geben.

Wie sie auf die normale Bevölkerung wirken, erfährst du in dem folgenden Interview, das ich mit einem Japaner geführt habe:

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Popkultur sorgt für gutes Image

Und natürlich tragen auch die zahlreichen Filme und Spiele ihren Teil bei, um das Image der Yakuza aufzupolieren. Die echten Yakuza haben vor vielen Jahren im übrigen mal ihre Meinung zum Videospiel Yakuza 3 geäußert.

Das Resultat: Bis auf diverse kleinere Fehltritte wie etwa die Kleidung des Hauptcharakters Kiryu, sollen die Yakuza dort sehr realistisch dargestellt werden. Selbst dass ein Yakuza ein legitimes Waisenhaus geführt hat, wie Kiryu in Yakuza 3, soll es gegeben haben.

Mittlerweile gibt es auf Youtube sogar Videos von Ex-Yakuza, die die Yakuza-Spiele bewerten. Die kritisieren teilweise auch, dass manchmal die falschen Anreden verwendet werden, was im echten Leben zu großen Problemen führen könnte.

Wie verhälst du dich vor Yakuza?

Wenn du irgendwo Yakuza sehen solltest, ist das aber kein Grund, gleich wegzurennen. Ich bin selbst schonmal welchen am Strand begegnet. Dort waren sie aufgrund ihrer imposanten Tattoos zu erkennen.

Als Tourist bist du für die Yakuza im Regelfall einfach nur ein “Katagi”, oder auch “Zivilist”. So nennen sie alle Leute, die nichts mit den Machenschaften der Yakuza zu tun haben.
Und “Katagi” sind ihnen zum Großteil einfach egal. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber die sind eher selten.

Eine davon war der zuvor genannte Fall das Yakuza-Bosses, der zu Tode verurteilt wurde. Der ließ nämlich eine Krankenschwester umbringen, da sie ihn nur wie jeden anderen Patienten behandelte und ihm keine Sonderbehandlung zuteil werden ließ. Er selbst war übrigens nicht wegen einer Schusswunde oder sonstwas im Krankenhaus, sondern wegen einer Penisvergrößerung.

Normalerweise rennen Yakuza nicht rum und rauben dich einfach aus. Immerhin würden sie dadurch die Polizei auf sich aufmerksam machen, was nicht in ihrem Interesse ist. Das erklärte mir auch schonmal ein Barkeeper in Hiroshima.

Solange du ihnen nicht in die Quere kommst, also kein Problem. Deswegen solltest du vielleicht nicht gerade versuchen, ihr abgelegenes Hauptquartier auf einem Berg zu besuchen. Obwohl sie selbst dann wohl eher genervt von dir sein sollten, als dich wirklich zu attackieren. Und eindringen darfst du schon laut Gesetz nicht. Immerhin ist es Privatgelände.

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