Linux-Gaming: So wechselt ihr von Windows zu Ubuntu

Seit Valve SteamPlay und Proton der Welt öffentlich präsentiert hat, erhielt Linux-Gaming einen neuen Schub. Wirklich verbreitet ist das Betriebssystem unter den meisten Spieler zwar nach wie vor noch nicht, doch dank Valves Vorstoß in Richtung des Open-Source OS wird Linux langsam zu einer echten Windows-Alternative.

Viele der beliebtesten Titel könnt ihr schon jetzt problemlos und ohne weitere Einstellungen auf dem offenen Betriebssystem spielen. Bei einigen anderen ist das wiederum mit ein paar einfachen Kniffen möglich. Für all jene unter euch, die umsteigen wollen, haben wir diesen Guide hier verfasst.

Hier erklären wir euch, wie ihr einen Ubuntu 18.04 Installationsstick
erstellt und wie ihr das OS für die Nutzung von SteamPlay und Proton
vorbereitet. Außerdem gehen wir darauf ein, wie ihr die
Controllerunterstützung auf Linux aktiviert und wie ihr an eure Treiber
kommt.

Was zum Geier ist Proton und SteamPlay?

Als “SteamPlay” bezeichnet Valve die Möglichkeit euer Spiel bei Steam einmal zu kaufen, und dann auf jedem beliebigen Betriebssystem zu spielen. Mittlerweile ist der Begriff teilweise synonym mit Proton geworden. Bei diesem Programm wiederum handelt es sich um eine Kompatibilitätseben für Linux, die auf Wine basiert. Kurz gesagt erlaubt die euch, native Windows-Programme auch unter Linux zu starten. Ohne diese können Ubuntu und co. nämlich nichts mit den üblichen Exe-Dateien anfangen.

Für alle, die keine langen Texte lesen wollen, gibt es hier zunächst
die Kurzanleitung. Die erklärt euch, wie ihr Ubuntu installiert
und.einrichtet. Dazu gehört auch die Installation von Wine (das ihr für
die Nutzung von SteamPlay / Proton benötigt), sowie die Installation von
Lutris (das es euch einfacher macht, Windows Spiele auf Linux zu
installieren). Kursiv geschriebene Zeilen sind Terminal-Befehle, die ihr
in eben diesem eingebt und mit Enter bestätigt. Eventuelle Nachfragen
während der Installation erlaubt ihr stets mit [Y]. Die ausführliche
Variante findet ihr ab der zweiten Seite.

Erstellung eines Ubuntu-Bootsticks:

Linux vom USB-Stick aus installieren:

  • Bootreihenfolge im BIOS ändern (USB zuerst)
  • Bootstick anstecken und PC neustarten
  • Installationsanweisungen von Ubuntu folgen

Einrichten von Ubuntu:

  • Terminal öffnen ([STRG] + [SHIFT] + [T] )
  • sudo apt update
  • sudo apt upgrade
  • sudo apt autoremove
  • sudo apt install python3.6

Grafikkartentreiber installieren (Nvidia):

  • Terminal öffnen ([STRG] + [SHIFT] + [T] )
  • sudo add-apt-repository ppa:graphics-drivers/ppa
  • sudo apt update
  • sudo apt install nvidia-driver-418

Grafikkartentreiber installieren (AMD/Intel):

  • Terminal öffnen ([STRG] + [SHIFT] + [T] )
  • sudo add-apt-repository ppa:paulo-miguel-dias/pkppa
  • sudo apt dist-upgrade
  • sudo apt install mesa-vulkan-drivers mesa-vulkan-drivers:i386

Steam installieren:

  • Terminal öffnen ([STRG] + [SHIFT] + [T] )
  • sudo apt install steam

Wine Staging installieren:

  • Terminal öffnen ([STRG] + [SHIFT] + [T] )
  • sudo dpkg –add-architecture i386
  • wget -nc https://dl.winehq.org/wine-builds/winehq.key
  • sudo apt-key add winehq.key
  • sudo apt-add-repository ‘deb https://dl.winehq.org/wine-builds/ubuntu/ bionic main’
  • sudo apt update
  • sudo apt install –install-recommends winehq-staging

Lutris installieren:

  • Terminal öffnen ([STRG] + [Shift] + [T] )
  • &ver=$(lsb_release -sr); if [ $ver != “18.10” -a $ver != “18.04” -a $ver != “16.04” ]; then ver=18.04; fi
  • echo “deb https://download.opensuse.org/repositories/home:/strycore/xUbuntu_$ver/ ./” | sudo tee /etc/apt/sources.list.d/lutris.list
  • wget -q https://download.opensuse.org/repositories/home:/strycore/xUbuntu_$ver/Release.key -O- | sudo apt-key add –
  • sudo apt update
  • sudo apt install lutris

Erstellen eines Ubuntu-Bootsticks

Als allererstes müsst ihr euch Ubuntu herunterladen.
Wie alle Linux-Distributionen ist das, im Gegensatz zu Windows,
komplett kostenlos. Für diesen Guide nutzen wir die derzeitige Lifetime
Version Ubuntu Desktop 18.04 Bionic Beaver. Auf der offiziellen Webseite
könnt ihr ebenso Ubuntu Server herunterladen. Der Unterschied ist, dass
die Desktop Version bereits einige vorinstallierte Pakete enthält, wie
zum Beispiel eine grafische Benutzeroberfläche (GUI).

Habt ihr das ISO heruntergeladen, könnt ihr mit einem Programm wie Beispielsweise Rufus
einen Bootstick erstellen. Nutzt hierfür einfach die
Standardeinstellungen und lasst das Programm eventuell benötigte
Zusatzdateien einfach von selbst herunterladen.

Als nächstes müsst ihr die Bootreihenfolge eures Systems verändern,
damit euer Rechner beim hochfahren nicht direkt Windows startet. Dafür
müsst ihr in das BIOS eures PCs. Das ist je mach Motherboard
unterschiedlich. In vielen Fällen erreicht ihr es aber, wenn ihr während
des Bootvorgangs entweder [ENTF] , [F12] oder [F2] gedrückt haltet.

Hier legt ihr dann bei der Bootreihenfolge fest, dass euer PC
zunächst versuchen soll, von einem USB-Laufwerk zu booten und erst
danach die Festplatte als Bootmedium nutzt. Ist das getan, steckt ihr
euren zuvor erstellten Ubuntu-Bootstick in das jeweilige USB-Laufwerk
und startet euren Rechner neu.

Jetzt folgt ihr ganz normal den Installationsaufforderungen von Linux
und habt somit den ersten großen Schritt zum Wechsel auf Linux
abgeschlossen. Ein paar einfache Sachen müsst ihr allerdings noch
erledigen, eh ihr spielen könnt.

Systemupdate und Treiberinstallation unter Linux

Nach der Installation von Linux müsst ihr das System aktualisieren, Treiber für eure Grafikkarte installieren und auch Vulkan installieren. Außerdem benötigt ihr Python3. Im Laufe dieser Installation wird Linux an mehreren Stellen eine Installationsbestätigung von euch verlangen. Häufig handelt es sich dabei um die Zusage, weitere Abhängigkeiten zu installieren, die ihr noch nicht besitzt.

Diese einfach immer durch Enter oder der Eingabe von [Y] und [Enter] bejahen. Das System-Update sollte automatisch vonstatten gehen und Linux wird euch darüber benachrichtigen. Alternativ öffnet ihr das Terminal mit der Tastenkombination [STRG] + [SHIFT] + [T]und gebt nun den Befehl sudo apt update gefolgt von sudo apt upgrade ein. Beide müsst ihr mit Enter bestätigen. Python3 installiert ihr mit sudo apt install python3.6 Der darauf folgende Schritt unterscheidet sich je nachdem, welche Grafikkarte ihr besitzt.

Nvidia

Bei Nvidia-Karten müsst ihr zunächt das entsprechende Repository hinzufügen. Das geschieht im Terminal mit dem Befehl sudo add-apt-repository ppa:graphics-drivers/ppa Danach lasst ihr Linux mit sudo apt update wieder nach Updates suchen und könnt jetzt mit dem Befehl sudo apt install nvidia-driver-418 die Nvidia-Treiber installieren. Beachtet, dass es bereits eine neuere Version der Treiber geben kann.

AMD/Intel

Bei AMD und Intel läuft es ähnlich ab. Ihr benötigt nur ein anderes
Repository. Im Terminal fügt ihr dieses zunächst mit dem Befehl sudo add-apt-repository ppa:paulo-miguel-dias/pkppa hinzu und gebt zum Updaten sudo apt dist-upgrade ein. Die Treiber installiert ihr dann mit sudo apt install mesa-vulkan-drivers mesa-vulkan-drivers:i386

Installation von Steam und Einrichten von Proton

Um ganz einfach Windows-Spiele zu installieren und zu starten
benötigt ihr Entweder Steam mit Proton oder Lutris. Beide nutzen die
Kompatibilitätsebene Wine, damit ihr auch jene Titel starten könnt, von
denen es keine native Linux-Version gibt. Um sämtliche Abhängigkeiten
für Proton und Lutris
zu installieren, müsst ihr Wine Staging herunterladen. Das geht
abermals über das Terminal, wo ihr die folgenden Befehle eingebt und mit
Enter bestätigt.

  • sudo dpkg –add-architecture i386
  • wget -nc https://dl.winehq.org/wine-builds/winehq.key
  • sudo apt-key add winehq.key
  • sudo apt-add-repository ‘deb https://dl.winehq.org/wine-builds/ubuntu/ bionic main’
  • sudo apt update
  • sudo apt install –install-recommends winehq-staging

Die Installation von Lutris erfordert die folgenden Zeilen, die ihr erneut im Terminal eingebt und mit Enter bestätigt:

  • &ver=$(lsb_release -sr); if [ $ver != “18.10” -a $ver != “18.04” -a $ver != “16.04” ]; then ver=18.04; fi
  • echo “deb
    https://download.opensuse.org/repositories/home:/strycore/xUbuntu_$ver/
    ./” | sudo tee /etc/apt/sources.list.d/lutris.list
  • wget -q https://download.opensuse.org/repositories/home:/strycore/xUbuntu_$ver/Release.key -O- | sudo apt-key add –
  • sudo apt update
  • sudo apt install lutris

Um die Distributions-Plattform von Valve zu installieren braucht ihr nur einen einzigen Befehl: sudo apt install steam

Steam könnt ihr nun ganz normal mit einem Klick auf das Icon öffnen.
Hier geht ihr in die Einstellungen und sucht den Reiter “Steam Play”.
Unter diesem setzt ihr einen Haken, dass ihr Steam Play für alle Spiele
verwenden wollt.

Spiele unter Linux starten

Wenn ihr Spiele einfach nur über Steam starten wollt, dann benötigt
ihr im Regelfall keine zusätzlichen Schritte mehr. Denn ab hier läuft
alles ab wie unter Windows: Ihr sucht ein Spiel in eurer Bibliothek,
ladet es herunter und startet es. Proton macht dann den Rest. Das
Ergebnis kann jedoch variieren. Während einige Spiele von Haus aus
starten und einfach laufen, könnten andere Probleme bereiten. Doch diese
sind von System zu System unterschiedlich. Wie gut ein Spiel mit der
Nutzung von Proton vorraussichtlich unter Linux laufen wird, erfahrt ihr
auf ProtonDB.com.
Das ist eine von der Community erstellte und gepflegte Datenbank, in
der die Nutzer angeben, wie gut ein Spiel auf ihrem Linux-System läuft.

Die Nutzung von Lutris ist ähnlich. Das startet ihr, sucht hier in dem Programm nach eurem Spiel und installiert dieses mit einem einfachen Klick. Danach könnt ihr den Titel über Lutris starten. Gerade für Steam-fremde Spiele kann das häufig sinnvoller sein als die Nutzung von Proton, da die einzelnen Installationsskripte von Lutris auf die jeweiligen Spiele zugeschnitten sind. Das kann für eine bessere Kompatibilität sorgen.

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