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Fortnite im Google Play Store: Bedeutet das was für PC-Spieler und Steam?

Am 21. April 2020 veröffentlicht Epic Games überraschenderweise den kostenlosen Battle-Royale-Hit Fortnite im PlayStore von Android. Überraschend deshalb, weil sich die Firma zuvor bewusst gegen einen Release auf der hauseigenen Plattform von Google entschied. Doch ist das auch für PC-Spieler und Steam von Revelanz?

Wieso gab es Fortnite so lange nicht bei Google?

Im Jahr 2018 erklärt Tim Sweeney, der CEO von Epic Games, gegenüber der Webseite Techcrunch, wieso sie sich gegen eine Veröffentlichung im PlayStore entschieden. Sein Ziel sei es, die Spiele direkt an die Kunden zu bringen und für einen Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Stores zu sorgen, von dem die Spieler letzten Endes profitieren.

On open platforms like PC, Mac, and Android, Epic’s goal is to bring its games directly to customers. We believe gamers will benefit from competition among software sources on Android. Competition among services gives consumers lots of great choices and enables the best to succeed based on merit.

Tim Sweeney

Einen weiteren wichtigen Grund nennt er gegenüber der Seite The Verge. Die aus Sweeneys Sicht hohen Abgaben von 30 Prozent aller Einnahmen der Verkäufe über den PlayStore an Google, die Entwickler entrichten müssen, seien so nicht gerechtfertigt.

The 30 percent store tax is a high cost in a world where game developers’ 70 percent must cover all the cost of developing, operating, and supporting their games.

Tim Sweeney

Was bewegte Epic zum Umdenken?

Gegenüber der Webseite Business Insider erklärt Epic Games, dass sie sich durch Google zur Veröffentlichung im Playstore gezwungen fühlen. So schüchtere Google die Nutzer mit Sicherheits-Pop-Ups, die vor der Installation von Software seitens Drittanbietern warnen, ein und klassifiziere sämtliche Software die nicht aus dem Store von Google stamme als Malware ein. Man hoffe, dass sie dies in der Zukunft ändern werden.

After 18 months of operating Fortnite on Android outside of the Google Play Store, we’ve come to a basic realization:

Google puts software downloadable outside of Google Play at a disadvantage, through technical and business measures such as scary, repetitive security pop-ups for downloaded and updated software, restrictive manufacturer and carrier agreements and dealings, Google public relations characterizing third party software sources as malware, and new efforts such as Google Play Protect to outright block software obtained outside the Google Play store.

Because of this, we’ve launched Fortnite for Android on the Google Play Store. We’ll continue to operate the Epic Games App and Fortnite outside of Google Play, too.

We hope that Google will revise its policies and business dealings in the near future, so that all developers are free to reach and engage in commerce with customers on Android and in the Play Store through open services, including payment services, that can compete on a level playing field.”

Epic Games

Die Android-Version von Fortnite hatte Sicherheitsprobleme

Die Android-App von Fortnite kämpfte nach Release mit einigen Problemen. Zu ihrer Veröffentlichung besaß diese eine Sicherheitslücke, die Hackern die Ausführung von Malware auf Smartphones erlaubte.

Die konnten so den Launcher austricksen und dazu bringen, statt der Fortnite APK ein anderes Programm auf dem Smartphone zu installieren. Android selbst hätte die Nutzer in so einem Fall nicht gewarnt.

Epic behob das Problem seinerzeit innerhalb von 48 Stunden, nachdem sie darauf aufmerksam gemacht wurden. Sieben Tage später veröffentlichte Google den Report gemäß seiner Richtlinien, wurde dafür allerdings von Epic kritisiert die darum baten, trotz der Veröffentlichung des Patches 90 Tage zu warten.

Wir erklären euch, was viele Leute am Epic Games Store kritisieren.

Was hat das mit Steam zu tun?

Auf Twitter äußert sich Epic-Chef Tim Sweeney sehr häufig über seine Abneigung gegenüber Valves Distributionsplattform Steam. Am meisten stören ihn – wie auch beim Google Play Store – die Abgaben von 30 Prozent, die die Entwickler für jeden Verkauf an Valve entrichten müssen. Seiner Ansicht nach sehe er keinen Grund, wieso Valve diese nicht senke und nur 12 Prozent verlangt, wie es der Epic Games Store tut.

Zudem erklärte er in der Vergangenheit, dass man damit aufhören werde, Exklusivverträge mit Entwicklern abzuschließen, sobald die Abgaben auf Steam auf 12 Prozent reduziert werden. In diesem Fall, so erklärt Sweeney, werde man gar darüber nachdenken die Spiele von Epic Games auf der Plattform von Valve zu veröffentlichen.

Die Aussagen ähneln somit denen, die Epic Games dazu veranlassten, ihre Spiele lange Zeit nicht im Play Store zu veröffentlichen.

Kommen Spiele von Epic bald bei Steam?

Sweeney deutete die Möglichkeit bereits an. Und wie die Ereignisse rund um den Release von Fortnite bei Google zeigen, spielen für die Entscheidung der Firma mehr Aspekte eine Rolle, als nur die Entwicklerabgaben, wie Sweeney es häufig auf Twitter darstellt.

Mit dem Release von Fortnite dürfte Epic das Ziel verfolgen, auch jene Nutzer zu gewinnen, die technisch nicht versiert sind und aufgrund der Warnmeldungen eine Installation des Spiels unterlassen.

Wenn sich Epic Games einen Vorteil – wie etwa eine größere Gruppe zahlender Käufer – davon verspricht, wenn sie ihre Titel auf Steam veröffentlichen, dann ist ein Release bei der Plattform von Valve nicht unwahrscheinlich.

Der PC ist nicht wie Android

Der PC ist jedoch eine offene Plattform, die seine Nutzer nicht vor der Installation des EGS oder dessen Spielen warnt, weil sie nicht vom Hersteller des Betriebssystem stammen. Dadurch sind auch keine Workarounds für die Installation notwendig. Zudem hat Epic Games in den mobilen Markt wesentlich weniger Kapital investiert, als in den Store für Windows-PCs.

Trotz der vielen Parallelen, liegt hier also eine andere Situation vor. Und eine Veröffentlichung bei Steam würde viele Anwender wohl auch dazu bewegen, den Epic Games Store hinter sich zu lassen, was natürlich nicht im Sinne der Firma läge.

Steam nimmt nicht immer 30 Prozent

Steam verlangt zwar regulär 30 Prozent der Einnahmen von jedem Verkauf, jedoch gibt es einige Sonderregelungen. So erlaubt die Plattform die kostenlose Generierung von Keys. Die können die Entwickler dann in ihrem eigenen Store verkaufen und umgehen so die Abgaben.

Zudem gibt es ein gestaffeltes System, bei dem Titel mit vielen Verkäufen weniger Prozent an den Store abgeben müssen. Somit lassen sich die 30 Prozent auf bis zu 20 Prozent reduzieren. Das ist jedoch nur sehr absatzstarken Spielen vorenthalten. Das sehr beliebte Witcher 3 erreichte die günstigste Abgaben-Stufe erst fünf Jahre nach seinem Steam-Release.

Der EGS dürfte wichtiger sein

Epic Games und auch Tim Sweeney dürften sich dieses Zustands im Klaren sein, sich jedoch bereits zur Gründung ihres Stores dazu entschieden haben, Steam dennoch nicht zu nutzen. Somit gibt die aktuelle Situation einen interessanten Einblick in die Vorgehensweise von Epic Games, gleichzeitig gehe ich nicht davon aus, dass die Firma in Zukunft mit Steam zusammenarbeiten wird.

Für Epic dürfte es weitaus wichtiger sein weiterhin zu versuchen, den eigenen Store zu etablieren. Nicht umsonst geben sie nach wie vor sehr viel Geld dafür aus, um dort kostenlose Spiele anzubieten.

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